Ausstellungsarchiv

Berlin by Bus / Bangkok by Bus – Christine Falk & Alfred Banze

Ausstellung vom 15.11.2020 bis zum 30.01.2021

Unterwegs per Bus in Berlin und Bangkok.
Stimmungen und Geschichten, eingefangen in einer Mixed-Media-Installation des Künstlerpaares Christine Falk & Alfred Banze, mit Malerei, Filmen, Zeichnungen, Sounds und Texten.

Die Installation im Erdgeschoss des Schlosses Biesdorf besteht aus einem Bangkok – und einem Berlin – Raum, in denen wechselweise die architekturbezogene Malerei von Christine Falk und informelle Zeichnungen von Alfred Banze sowie Videos gezeigt werden. Im Bangkok – Film ist die akustische Kakophonie der Großstadt durch Musik ersetzt. Sie ist inspiriert von thailändischer Pop-Musik der 60er Jahre, mit Gongs und Xylophonen, Zupfinstrumenten, Mönchsgesängen und Straßenlärm. Der Berlin-Film ist mit Original-Sounds und Texten von Christine Falk unterlegt.

Öffentliche Busse sind ein sehr flexibles Verkehrsmittel. Busse fahren an Orte, die nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen, aber sehr viel von der jeweiligen Stadt erzählen. Sie ermöglichen Mobilität für die urbane Peripherie. In der bildenden Kunst ist der öffentliche Raum schon lange als kommerziell bedrohtes gesellschaftliches Kulturgut erkannt und gilt seitdem als weites Experimentierfeld.

Der Auftakt zu Ausstellung wurde im Herbst 2019 im Goethe-Institut Bangkok gezeigt. In Berlin war die Ausstellung für März 2020 geplant, konnte coronabedingt zu diesem Zeitpunkt nicht umgesetzt werden. Vieles hat sich inzwischen verändert und so werden Realitäten gezeigt, die es zurzeit so in beiden Städten nicht gibt. Die vor kurzem noch alltäglichen Szenen der Videos beschreiben aus heutiger Sicht Sehnsuchtsszenarien.

Die Idee zum Ausstellungsprojekt entstand in Bangkok bei einer Fahrt mit einem alten offenen Sammelbus. In Berlin nutzt das Künstlerpaar öffentliche Verkehrsmittel und das Fahrrad, das Auto ist lange abgeschafft.

Vor 15 Jahren lernten sich Christine Falk und Alfred Banze im Goethe-Institut in Bangkok kennen. Seitdem haben sie zahlreiche gemeinsame Projekte zu Exotismus, Globalisierung und interkulturellen Dialogen realisiert, immer wieder auch in Bangkok.

Weitere Details: www.bangkokbybusberlin.de

Eine Veranstaltung des Fachbereichs Kultur Marzahn-Hellersdorf.
Mehr Informationen zur Kultur in Marzahn-Hellersdorf finden Sie im Internet unter www.kultur-marzahn-hellersdorf.de. 

 

City (un)limited – der Traum vom eigenen Haus

Virtueller Rundgang durch die Ausstellung

Ausstellung vom 23.08.2020 – 30.01. 2021
Eröffnung am 23.08.2020, 10:00 – 21:00 Uhr

Arbeiten von Sigrun Drapatz/Tanja Lenuweit, Ina Geißler, Eva Kietzmann, Thomas Kilpper, Ulrike Kuschel, Fabian Lippert, REINIGUNGSGESELLSCHAFT, Hartmut Staake, Daniele Tognozzi, Ina Wudtke

Die künstlerischen Positionen der Ausstellung bewegen sich zwischen Bestandsaufnahme, Analysen der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekte und möglichen Zukunftsszenarien des öffentlichen und privaten Raumes, oft im direkten Bezug zum Siedlungsgebiet im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf, das als größte zusammenhängende Einzelhaussiedlung Deutschlands gilt.

Seit Beginn der Industrialisierung und der damit einhergehenden Urbanisierung stellt sich die Frage nach der Verteilung von Lebens- und Nutzungsräumen in der Stadt. Stadtrandsiedlungen bildeten ursprünglich eine Alternative zu den katastrophalen Lebensbedingungen der Metropolen vor allem für die unteren Bevölkerungsschichten. Sie ermöglichten ein Entkommen aus der Enge der Innenstädte und gesundes Wohnen am Stadtrand. Die Gärten dienten als Anbaufläche, sie waren Hilfe zur Selbsthilfe und zugleich Ausgleich und Ergänzung zur Arbeit in der Stadt. Inzwischen ist der Boden zum spekulativen Kapital geworden, die Folge sind explodierende Bodenpreise. Ausbau und Verdichtung der Einzelhaussiedlung gilt heute als sichere Kapitalanlage.

Die Künstlerinnen und Künstler nutzen unterschiedliche Medien und Formate, um sich mit Nutzungsszenarien und -strategien von öffentlichem und privatem Raum, gegenwärtig und zukünftig, auseinanderzusetzen. Vor dem Hintergrund einer rasant wachsenden Stadt, der Auswirkungen des Klimawandels, auch im Hinblick auf die Rolle von Stadtrandsiedlungen sowie wachsender sozialökonomischer Ungerechtigkeit stellt sich immer eindringlicher die Frage nach Bodeneigentum bezogen auf das Spannungsverhältnis zwischen den Bedürfnissen des Einzelnen und denen der Gemeinschaft. Realisiert sich die Autonomie von Einzelnen tatsächlich durch (Wohn-)Eigentum? Welche Modelle für eine lebenswerte Stadt in diesem Spannungsfeld sind denkbar?

Ausstellungsidee und Konzept von Sigrun Drapatz und Ina Geißler, Mitarbeit: Tanja Lenuweit und Fabian Lippert, Projektleitung: Karin Scheel

 

Konzert zur Ausstellung

03.09.2020, 18:00 Uhr "Ausfallstraße Ost"

Die MusikerInnen Zappi Werner Diermaier (Faust), Elke Drapatz, Dirk Dresselhaus und N. U. Unruh (Einstürzende Neubauten) reagieren auf die am Schloss vorbeiführende Bundesstraße B1 und kommunizieren mit dem Verkehrssound. Das experimentelle Ensemble spielt auf der Südterrasse des Schloss Biesdorf für die Gäste im Park.
Veranstaltung im Rahmen der KGB-Kunstwoche vom 28.08.2020-06.09.2020

 

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung

Sigrun Drapatz und Tanja Lenuweit
„Die Scholle im Häusermeer – zum Wesen vorstädtischer Kleinsiedlungen“

Eine Untersuchung zur Entstehung von Stadtrandsiedlungen für Erwerbslose zu Beginn der 1930er Jahre. Die Spurensuche der Künstlerinnen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf führt zu fünf Siedlungen, die zwischen 1932 und 1934 entstanden sind. Sie kartieren die Siedlungen im Häusermeer, umkreisen das historische Setting, folgen ihrer Entstehung anhand historischer Dokumente und sammeln die Geschichten und Erinnerungen der Bewohner*Innen.

Sigrun Drapatz (*1963), lebt und arbeitet in Berlin und Kiel. Nach Abschluss ihres Studiums an der Universität der Künste, Berlin, 1998, arbeitet sie als freischaffende bildende Künstlerin und nimmt an Projekten und Ausstellungen im In- und Ausland teil. Gemeinsam mit Tanja Lenuweit forscht sie zum Wesen des Kleingartens.
www.sigrun-drapatz.de

Tanja Lenuweit ist Kulturwissenschaftlerin und arbeitet im Bereich der historisch-politischen Bildung. Sie beschäftigt sich u.a. mit den Themen Migration und Erinnerungskultur. Mit Sigrun Drapatz kuratiert sie 2020 Block 57, ein offenes Archiv zu Leben und Arbeit in Berlin-Kreuzberg, das sich mit einer sich verändernden urbanen Nachbarschaft, geprägt von äußeren und inneren Einflüssen, beschäftigt.

 
Ina Geißler
„Gated Unities“

Malereiserie (30 teilig) mit Cut Out und 6 Körperzäune aus schwarzem Schaumstoff

 

Die gemalte Portraitserie „Gated Unities“ ­ skizziert die Vielfalt an Motivationen, ein eigenes Haus zu besitzen – Finanzielle Freiheit, Unabhängigkeit von der Gunst eines Vermieters, Selbstbestimmung durch alternative Lebensformen oder kreative Selbstverwirklichung stehen reinem Besitzdenken, Prestige und Überbetonung von Sicherheits- und Unabhängigkeitsbestrebungen gegenüber. Ina Geißler hat in Biesdorf eine Serie individuell gestalteter Gartenzäune fotografiert. Aus diesen Motiven hat sie Körperzäune entwickelt und sie fiktiven Eigentümer*innen zugeordnet. Es werden verschiedenen Bezügen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit Ausdruck verliehen. Außerdem können aus Schaumstoffen ausgeschnittene Zäune von den Besucher*innen anprobiert werden. Sie bieten die Möglichkeit, das „Leben hinter dem Gartenzaun“ körperlich nachzuvollziehen.

Ina Geißler, geboren 1970, lebt und arbeitet in Berlin. 2011 realisierte sie zusammen mit dem Architekten Fabian Lippert die permanente Klanginstallation Unterton am Martin-Gropius-Bau, Berlin.  Seither wendet sie sich vermehrt neben ihren großformatigen Malereien und Cut-Outs interdisziplinären Projekten für den öffentlichen Innen- und Außenraum zu. Ina Geißler beschäftigt sich mit real räumlichen sowie sozialpsychologischen Faktoren, welche den Austausch zwischen Privatheit und Öffentlichkeit prägen.
www.inageissler.de

 

Eva Kietzmann
“Comm unity”

Videoinstallation, 2020

 

In ihrer aktuellen Videoinstallation setzt sich Eva Kietzmann mit der Konstruktion von öffentlichem Raum in einer deutschen Einfamilienhaussiedlung auseinander. Sie führt das Publikum mit der Kamera durch den Wohnort und lädt zum Studium seiner Anordnung und seiner Architektur ein. Gleichzeitig bleibt die Beobachter*in nicht unbeobachtet. Die Künstlerin greift in diesem Video ein reales Erlebnis in Biesdorf auf und überträgt dieses auf den Ort, in dem sie selbst aufgewachsen ist. Eva Kietzmann setzt sich in ihrer künstlerischen Arbeit seit vielen Jahren mit Privatisierung von Stadtraum und den damit verbundenen ästhetischen und sozialen Auswirkungen auseinander. Dabei geht es ihr auch immer wieder um eine Reflexion der Konstruktion von öffentlichem Raum und den darin produzierten Machtverhältnissen.

Eva Kietzmann, (*1977), nutzt unterschiedliche Medien und Formate wie Video, Installation, Zeichnungen für ihre Arbeiten. Sie studierte Audiovisuelle Medien, Künstlerische Arbeit im Öffentlichen Raum und Informationswissenschaften in Offenbach und Berlin. Von 2009 bis 2016 arbeitete Sie mit Petra Kübert als Duo zur Inszenierung von öffentlichen Räumen und Imageproduktion von Stadt. Regelmäßig nimmt sie an Ausstellungen im In- und Ausland teil und erhielt verschiedene Stipendien.
www.evakietztmann.net

 

Thomas Kilpper
„Kommune B(iesdorf)“

Holzschnitt in Multiplex Birke, Druckfarbe, 2020

 

Thomas Kilpper versammelt in seinem Holzschnitt Kommune B(iesdorf)  unterschiedlichste Protagonist*innen revolutionärer bzw. alternativer Lebens- und Arbeitsformen aus den letzten 200 Jahren. Emanzipatorische Bewegungen und Ideen prallen immer wieder auf verknöcherte Strukturen der Gesellschaft. Experimente, um Lebensformen zu verändern, werden zurückgeworfen, scheitern oder bleiben minoritär. Und dennoch: Veränderung findet permanent statt. So wie wir heute leben, wird es nicht bleiben: Der gesellschaftliche Entwicklungsprozess wird weitergehen.
Bei den von Kilpper verwendeten Birkenholz-Platten, handelt es sich um recyceltes Material aus seiner Bodenarbeit Spuren des Krieges für die Ausstellung VERMISST Der Turm der blauen Pferde, die im Frühjahr 2017 in der Münchner Pinakothek der Moderne stattfand und die das verschollene, einstmals als „entartet” stigmatisierte Gemälde von Franz Marc thematisierte. Kilpper hat einen modernen 60 Tonnen schweren Leopard II-Panzer der Bundeswehr über das Holz fahren lassen, sodass sich dessen Kettenmuster darin einprägte, was mit kriegsverherrlichenden Zitaten aus Feldbriefen von Marc kontrastiert ist. Für Kommune B(iesdorf) hat Kilpper die Platten umgedreht und neu bearbeitet, die Rückseite wird jedoch als Fragment sichtbar und in die neue Arbeit miteinbezogen.

Thomas Kilpper, (*1956), ist Künstler und lebt seit 2003 in Berlin. Er wird vertreten von der Galerie Nagel Draxler. Seine Werke finden sich in öffentlichen Sammlungen in London, Frankfurt/M., Oslo und Nürnberg. Seit 2014 ist er Professor für Kunst an der Universität in Bergen, Norwegen. Gemeinsam mit Ina Wudtke betreibt er after the butcher, einen Ausstellungsraum in Berlin für zeitgenössische Kunst und soziale Fragen.
www.kilpper-projects.de 

 

Ulrike Kuschel
„Ein Haus wird gebaut in Biesdorf-Süd“

2 Kanal Video, 6:35 min, 2020

 

Die Schwester der Künstlerin und ihr Ehemann haben einen Kilometer südlich vom Schloss Biesdorf ein Grundstück erworben, um dort in zweiter Reihe ein Haus zu bauen. Das Grundstück grenzt unmittelbar an das Grundstück der Eltern der Künstlerin an, die dort vor 25 Jahren auch ein Haus gebaut haben. Im ersten Video werden Ausschnitte aus Gesprächen am Kaffeetisch und Interviews mit den Beteiligten mit Fotografien des Bauprojektes zusammengeschnitten. Neben bautechnischen Details kommen auch mit der Verschuldung zusammenhängende Sorgen zur Sprache. Die Beschreibung eines selbstgezeichneten Grundrisses durch die 6jährige Tochter macht deutlich, wie sehr auch die Kinder in den Bauprozess involviert sind. Das zweite Video zeigt im Zeitraffer die Veränderungen auf dem Grundstück seit Herbst 2019.

Ulrike Kuschel, geb. 1972 in Berlin, hat bildende Kunst an der Hochschule der Künste Berlin studiert. Kontext-bezogene Recherchen und ein konzeptueller Ansatz sind kennzeichnend für ihre künstlerische Arbeitsweise, die verschiedene Medien umfasst. Sie erhielt mehrere Stipendien, u.a. ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung (2014), Stipendium der Villa Massimo in Rom (2010), Stipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn (2007), Stipendium der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung u. Kultur, Berlin (2006) und gewann 2006 den GASAG-Kunstpreis. Zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland.
www.ulrikekuschel.de

 

Fabian Lippert
„biesdorf city limits“

Städtebauliche Modelle, 2020

 

Biesdorf ist Teil eines der größten zusammenhängenden Einfamilienhaus-Areale in Europa. Die Einwohnerdichte ist sehr gering. Biesdorf und Umgebung sind zwar grün, jedoch sind die Straßen zumeist menschenleer. Hier wird ausschließlich „gewohnt“. Der öffentliche Raum wirkt unbelebt. Es fehlen: Gastronomie, Nahversorgung, Gewerbe, eine lebendige Nutzungsmischung. Das Auto ist Verkehrsmittel Nummer Eins.
In der Ausstellung werden verschiedene städtebauliche Modelle von Verdichtungen gegenübergestellt. Dabei werden geltende Normen spielerisch überwunden.
Mehr Dichte kann zu mehr Durchmischung und Lebendigkeit beitragen, von der die Anwohner als auch die gesamte Stadtgesellschaft profitieren.

Fabian Lippert (*1972), lebt und arbeitet in Berlin.
Er schloss sein Studium der Architektur 1999 an der Hochschule der Künste in Berlin ab und arbeitet seit 2002 als freiberuflicher Architekt. 
2009 gründete er mit Sandra Kavelly zusammen das Architekturbüro LKA-Berlin. Zusammen mit Ina Geißler gewann er 2011 mit der Klanginstallation Unterton den 1. Preis beim Wettbewerb Kunst am Bau des Martin-Gropius-Baus. Es entstehen weitere gemeinsame Arbeiten. Seine Projekte umfassen die Bereiche Architektur, Kunst am Bau und Möbelentwurf.
www.fabianlippert.de

 

Hartmut Staake
„Schönes Wochenende“, 1981

Öl auf Leinwand
Leihgabe des Kunstarchivs Beeskow

 

REINIGUNGSGESELLSCHAFT
„Be One!“

Performative Ampelphasenmessungen
Multimediale Installation, 2020

 

Die Projektgruppe REINIGUNGSGESELLSCHAFT nimmt eine performative Zeitmessung von Ampelphasen  an der stark befahrenen B1 vor. Die B1 ist eine wichtige Verkehrsader, die das Zentrum Berlins mit den östlichen Stadtteilen verbindet. Laut BUND zählt in Biesdorf vor allem die Überquerung der B1 / B5 Alt-Biesdorf zu den fußgängerfeindlichsten Orten in Berlin. Die Verkehrsachse ist von einem hohen Pendleraufkommen geprägt. Gleichzeitig zerschneidet die B1 das alte Zentrum Biesdorfs und isoliert die Ortsteile beiderseits der Straße voneinander. Mit dem Projekt wirft REINIGUNGSGESELLSCHAFT die Frage auf, wie Städte und Verkehr der Zukunft aussehen werden. Werden wir dem motorisierten Verkehr weiterhin das hohe Maß an öffentlichem Raum und öffentlicher Zeit zur Verfügung stellen können? Was wäre, wenn sich Biesdorf als Modellprojekt  entschließen würde, jedes Jahr 5 Sekunden der Signalzeit (Ampelzeit?) des Straßenverkehrs auf der B1 abzuziehen und zu den Fußgängerzeiten hinzu zu addieren? Wird sich in 5 Jahren das Verhältnis Fußgänger- und Straßenverkehr möglicherweise umgekehrt haben? Eine Antwort auf diese Frage wird es im Jahr 2025 geben, wenn Biesdorf seinen 650. Geburtstag feiert. Dann wird die Performance wiederholt  und es wird ablesbar, ob und wie sich Mobilitätskonzepte im öffentlichen Verkehr bis dahin entwickelt haben. In der Ausstellung werden die Ergebnisse der Performance als Video und Fotoserie präsentiert.

Die Projektgruppe REINIGUNGSGESELLSCHAFT besteht aus den bildenden Künstlern Martin Keil (*1968) und Henrik Mayer (*1971). Beide studierten an der HfBK Dresden, leben und arbeiten in Berlin. Die Projekte der RG sind partizipativ und beziehen sich auf den öffentlichen Raum. Dabei hat zeitgenössische Kunst die Rolle, gesellschaftliches Leben zu reflektieren und zu Veränderungen beizutragen.

www.reinigungsgesellschaft.de

 

Daniele Tognozzi
„Was zu wünschen übrig lässt“, 2018 - 2020

Interaktiver Gravitationstrichter mit Zitaten aus Immobilienwerbetexten

„Nordstern“, 2020

Installationen im Aussenraum

 

In welchem Verhältnis steht Kunst- und Kulturproduktion zu der Komplexität kaum sichtbarer Eigentumsstrukturen, die unseren Stadtraum prägen? Warum ist es heute wichtig, in einer Zeit der übermäßigen Finanzialisierung von Boden und Wohnen, auch das Alltagsleben diesbezüglich künstlerisch zu reflektieren?
Daniele Tognozzi greift diese Fragen mit zwei Installationen auf, die das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit den Geschäften und Entstehungsgeschichten von einigen Immobilienunternehmen sind, die rund um das Schloss Biesdorf bzw. den Elsterwerdaer Platz tätig sind. Die  Installation an der Auffahrt zum Schloss Biesdorf besteht aus einer Fahne, die Fahne der schwedischen Familie Johnson, die entlang der gepflasterten Auffahrt des Schlosses gehisst wurde. Aus dem Geschäft der Familie ist das Immobilienentwicklungsunternehmen Nordstjernan, heute Bonava, entstanden, das 2016 325 Eigentumswohnungen, die sogenannten Biesdorfer Stadtgärten, vor dem Schlosspark gebaut hat.

Im Innenbereich des Schlosses stellt der Künstler einen Gravitationstrichter aus. Sobald eine Münze ins dunkle Loch in der Mitte hineinfällt, aktiviert sie einen Lautsprecher, der das Objekt in ein Sprachrohr verwandelt und Werbetexte der Immobilienbranche vorträgt.

Daniele Tognozzi (IT/DE), geboren in Bergamo, ist bildender Künstler und Autor. Er studierte freie Kunst an der Accademia di Belle Arti di Bologna und erhielt 2018 seinen MA in Raumstrategien an der Kunsthochschule Weißensee. Er engagiert sich u. a. in "Kunstblock & Beyond", einem Zusammenschluss von Kunst- und Kulturschaffenden, die als Teil des Berliner 'Mietenwahnsinn-Bündnis' im Kampf gegen Gentrifizierung und Immobilienspekulation tätig sind. Als Teil von "Kollektiv Quotidien” ist er außerdem Herausgeber und Co-Autor des Buches "Lefebvre for Activists", das 2020 bei ADOCS Hamburg erschienen ist.

 
Ina Wudtke
„Anger“ & „Ein Schloss für Berlin“ (Teil I+II)

Installation, 2020

 

In „Anger“ greift Ina Wudtke die Bodenfrage auf und zitiert in ihrer Textilarbeit die Form des Dorfangers. „Anger“ bzw. „Allmende“ (im Englischen "Commons") bezeichnete den gemeinschaftlich als Wäscheplatz, Weide oder Garten genutzten Dorfplatz, dessen Erträge man teilte. In ihrer Wut über eine kapitalistische Stadtpolitik übertragen zeitgenössische Stadtaktivist*innen das Bild der Commons auf die Gegenwart, indem sie den Boden neben Wasser und Luft als kostbare Ressourcen anerkennen und danach streben, ihn wieder in Gemeinschaftseigentum zu überführen. Ina Wudtke stickte neben die augenförmige Angerfläche Zitate von Karl Marx und der zeitgenössischen Feministin Silvia Federici, in denen sie die Einzäunungen (Privatisierungen) der mittelalterlichen Gemeinschaftsflächen als den Beginn des kapitalistischen Zeitalters und der damit einhergehenden Abwertung von Frauen (-Arbeit und Reproduktion) markieren.

„Ein Schloss für Berlin“ war ursprünglich ein Spoken Word Text, den Ina Wudtke für eine Demonstration gegen das Berliner Stadtschloss zu dessen Richtfest in 2015 verfasst hatte. In 2020, im Kontext einer Demonstration gegen die Installation des Reichsapfels mit Kreuz auf der Schlosskuppel, zusammen mit der „Coalition of Cultural Workers Against The Humboldt Forum“, laß Ina Wudtke den Text live auf dem Schinkelplatz vor. Anschließend entstand eine Textilarbeit, die den Text nebst Outline des Schlosses erneut verwendet.

Ina Wudtke, geboren 1968, ist Konzeptkünstlerin und lebt in Berlin. Sie gab von 1992 bis 2004 das queer-feministische Künstler*innenmagazin NEID heraus. Ihre recherchebasierte Arbeit hinterfragt hegemoniale politisch-gesellschaftliche Diskurse und verstärkt Gegendiskurse zu Themenfeldern wie Gender, Arbeit und Stadt.  2018 erschien ihr BuchThe Fine Art of Livingüber ihre künstlerischen Arbeiten gegen Gentrifizierung von 2008-2018 (Berlin, Archive Books).
www.inawudtke.com

 

B1 – eine Straße durch Berlin

Ausstellung vom 23.08.2020 bis 06.11.2020

Fotografien von Aenne Burghardt, Ekkehart Keintzel, André Kirchner, Andreas Muhs, Peter Oehlmann, Cordia Schlegelmilch, Jörg Schmiedekind, Wolf Jobst Siedler, Peter Thieme, Volker Wartmann, Arnd Weider und Jochen Wermann. 2016 bis 2020

Die Bundesstraße B1 verbindet zahlreiche das Stadtbild prägende und historisch bedeutsame Orte, die die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts lesbar und erlebbar machen: Novemberrevolution, Weimarer Republik, Nazi-Zeit, Krieg und Nachkrieg, Berlins Teilung und erneutes Zusammenkommen nach dem Fall der Mauer und der deutschen Wiedervereinigung. Die widersprüchliche Geschichte dieser Stadt, ihre Brüche und Veränderungen manifestieren sich in den entlang der B1 zu findenden Stadträumen und Architekturen, die wie eine Abfolge von Ausstellungsstücken erlebt und verstanden werden können.

Zwölf Fotografinnen und Fotografen zeigen ihre persönlichen Wahrnehmungen und Auffassungen dieser Stadträume, die im Jetzt verankert sind, aber nie ihre Geschichte vergessen lassen.

In der Berliner Gesprächsrunde zur Stadtfotografie, zu der mittlerweile vierzehn Fotografinnen und Fotografen regelmäßig zusammenkommen, wird neben Diskussion und Austausch auch an gemeinsamen fotografischen Themen gearbeitet. 

2016 begann die Auseinandersetzung mit der B1. Ein Abschnitt dieses ursprünglich von Königsberg bis Aachen reichenden Verkehrsweges führt durch Berlin, von Mahlsdorf im Osten der Stadt bis zur Glienicker Brücke im Südwesten.

 

Aus den Printmedien:

Entlang der B1: Eine Reise durch Berliner Unorte

Julia Hubernagel, Berliner Morgenpost, 09.09.2020

 

Im Rahmen des EMOP Berlin – European Month of Photography 2020

 

 

Ronald Paris: Bilder vom Sein – Arbeiten aus sechs Jahrzehnten

Ausstellung vom 14.06.2020 – 14.08.2020
(in der ersten Etage des Schlosses Biesdorf)

Kuratiert von Dr. Gerlinde Förster

Ronald Paris (*1933) gehört zu den herausragenden Malern und Grafikern seiner Generation. Die retrospektiv angelegte Ausstellung zeigt in einem kontrastreichen räumlichen Gegenüber Malerei und Zeichnungen, die beispielhaft für das Lebenswerk des Künstlers stehen.

Das Werk des Künstlers umfasst Gemälde und Zeichnungen, Grafiken und Collagen, Glasmalerei, Gobelins, Bühnenbilder sowie baubezogene Arbeiten im öffentlichen Raum. Künstlerisch gleichrangig neben großformatigen Arbeiten an exponierten Orten sind die auf der Staffelei im Atelier geschaffenen, häufig durch Literatur, Theater und Reisen inspirierten Bilder und Grafiken.

Paris braucht das Erlebnis der Landschaft, die menschliche Gestalt, und er braucht die damit verbundene Geschichte. Das Verlangen, den Menschen vom Wesen her zu begreifen, hinter die Gründe und Abgründe seines Tuns zu kommen, ist die eigentliche Triebkraft, die das Entstehen seiner Bildwelt bis heute antreibt.

Er sucht den Rückgriff auf antike Gestalten und Mythen, ist von den Dramen Shakespeares bis zur Dichtung Volker Brauns inspiriert und greift dieses Material auf für seine künstlerischen Deutungen. Prometheus, Odysseus, Marsyas, Appolon, Sisyphos, Kassandra, Medea, Ikarus, Iphigenie, Sappho oder Hamlet, Lear u.a. sind für ihn Metaphern, um menschliche Grundthemen in gesellschaftliche Kontext seiner Zeit zu stellen.

Eine wichtige Facette seines Werks sind die Porträts, sie sind der verdichtete Ausdruck seiner realistischen Kunst. Einer der Porträtierten ist Otto Nagel. Noch heute ist die für Paris prägende Zeit an der Akademie der Künste als sein Meisterschüler bei ihm wach. Andere Zeichnungen wie die von Ernst Busch, Hanns Eisler, Heiner Müller, Harry Kupfer und Inge Keller verweisen auf Paris‘ große Nähe zum Theater.

Paris‘ Bedürfnis ist es bis heute, sich künstlerisch einzumischen. Durch viele seiner künstlerischen Deutungen fordert er polemisch-trotzig einen Dialog heraus. Er ist einer der wenigen Bildermacher, der auf der Suche nach der Wahrheit Lebensraum schonungslos ausleuchtet und die Würde des Menschen mit seiner Kunst verteidigt. Dieser Grundzug ist charakteristisch für seine künstlerische Haltung.

Die Ausstellung wird gefördert aus Mitteln des Ausstellungsfonds Kommunale Galerien Berlin der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 

Christine Fenzl: Land in Sonne – Porträts der Nachwendejugend Ostberlins

Ausstellung vom 14.06.2020 – 14.08.2020
(im Erdgeschoss des Schlosses Biesdorf)

Die in Berlin lebende Fotografin Christine Fenzl porträtierte Jugendliche aus den Berliner Bezirken Hellersdorf, Marzahn, Lichtenberg und Hohenschönhausen, die in der Wendezeit und danach zur Welt kamen. Für deren Eltern die Mauer also eine Selbstverständlichkeit bedeutete, in deren eigener Welt diese jedoch kaum mehr vorstellbar ist.  Ihre Serie wirft den Blick auf die Generation der »Nachwendekinder«.

In sensiblen Aufnahmen spürt Fenzl den Geschichten und Erwartungen der Protagonisten nach und bewahrt dabei stets die Perspektive des ungeteilten Interesses an ihren Motiven. Sie zeigt die Menschen nah und unverstellt, im richtigen Licht und in einem vertrauten Moment. Die sich im Wandel befindlichen Orte, in denen insbesondere die Plattenbauarchitektur auf die Vergangenheit schließen lässt, spiegeln dabei auch die Jugend als einen Zustand des Übergangs wider.

Christine Fenzl hat die tiefgreifenden Veränderungen, die Berlin nach dem Mauerfall durchlaufen hat, selbst erlebt. Bereits 1992 zog sie dort hin und wurde Assistentin von Nan Goldin. Zunächst lebte sie im Westteil der Stadt, dann im ehemaligen Ostteil Mitte, wo Erneuerung und Umbruch, aber auch Herausforderungen täglich spürbar waren. Gerade an den Orten, an denen bereits erneuert und erschlossen wurde, wird es immer schwieriger, sich an den genauen Verlauf der Grenze zu erinnern. 

»Ich fürchte, dass die Bilder dieser Zeit verschwinden. Angetrieben von der anhaltenden Veränderung, aber dennoch spürbaren ehemaligen Teilung der Stadt, ist es mir wichtig, der ‚Wendekinder‘-Generation ein Gesicht zu geben. Ich will die jungen Frauen und Männer in Bildern festhalten, die in diese besondere Zeit hineingeboren und somit Teil der Geschichtsschreibung sind«, resümiert Christine Fenzl.

Die Ausstellung wird gefördert aus Mitteln des Ausstellungsfonds Kommunale Galerien Berlin der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

 

Sehnsucht nach dem Jetzt

Willkommen zum virtuellen Ausstellungsrundgang!
Sie erreichen ihn unter ... www.sehnsuchtnachdemjetzt.de

Die ausstellungsbegleitende Zeitung kann hier nachgelesen werden:
Eine Zeitung für alle Tage

Die für den 04.04.2020 von 16:00-17:30 Uhr geplante Diskussionsrunde ist in den virtuellen Raum verlegt und wird live gestreamt:
Livestream

 

Ausstellung vom 24.02.2020 bis 04.06.2020 
Vernissage: 23.02.2020, 18:00-22:00 Uhr

Wann genau ist JETZT? Wann wird Vergangenheit zum JETZT? Wann beginnt die Zukunft nach dem JETZT?

Arbeiten von: Atsushi Fukunaga (Installation), Renate Herter (Fotografie, Installation), Jörg Jantke (Malerei), Andreas Kempe (Video, Hinterglasprojektion), Ulrike Kötz, (Performance/Installation), Bärbel Möllmann (Camera obscura/Fotografie), Ulrike Möschel (Installation), Michael Morgner (Grafik), Julia Murakami (Fotografie), Annette Peuker-Krisper (Grafik), Daniel Rode (Installation), Andreas Sachsenmaier (Arbeiten auf Papier), Thyra Schmidt (Siebdruck mit Audiocollage), Joachim Seinfeld (Objektkästen), Aljoscha Begrich/Axel Töpfer/Jo Preußler (Collage und Installation), Rebecca Ann Tess (Fotografie), Klaus Walter (Lichtkasten/Malerei), André Werner (Videoinstallation), Sinta Werner (Fotografie/Objekte)

Kuratiert von Andreas Sachsenmaier, Joachim Seinfeld, Bärbel Möllmann, Karin Scheel

„Sehnsucht nach dem JETZT“ im Schloss Biesdorf ist erster Teil einer dreiteiligen Ausstellung in Berlin, Dresden und Düsseldorf. Die Ausstellungsreihe kreist um die „Sehnsucht nach dem JETZT“, diesen schwer fassbaren Moment des Gegenwärtigen. Damit das JETZT (be)greifbar werden kann, muss das, was davor und das, was danach liegt, mitgedacht werden. Diese drei Phasen – Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – sind daher die Schwerpunkte der Ausstellung, wobei jeder Zeit eine kulturelle und gesellschaftspolitische Dimension zugeordnet wird.

Der flüchtige und fragile Moment des JETZT lässt sich am besten im Augenblick des kreativen Schaffensprozesses einfangen. Folgerichtig beschäftigt sich der Berliner Auftakt im Schloss Biesdorf sowohl mit der Gegenwart als auch dem Moment des künstlerischen Schaffens. Siebzehn Künstlerinnen und Künstler stellen sich im Schloss Biesdorf dieser Herausforderung.

So zeigt Andreas Kempe in seinem Filmloop Baumfall/Scioto Riverexakt den kurzen und doch so stark nachwirkenden Moment, in dem ein Baum auf einen Radweg stürzt. Das Vogelgezwitscher, das Raunen des Windes und das Blättergeraschel werden nur für einige Sekunden durch ein lautes Krachen unterbrochen und setzen sich danach fort als wäre nichts geschehen. Rebecca Ann Tess stellt in ihrer Fotoserie „Alpha++ Models“ die urbanen Zentren der Welt nebeneinander und zeigt die sterile Ästhetik neoliberal geformter Städte, in denen menschliche Körper nur als Fragmente erscheinen und selbst die Natur nur als grüne Mauer oder als akkurat gestutzte Hecke in geometrische Strukturen eingepasst wird. Das Individuelle, das es an diesen Orten einmal gab, das regional Charakteristische der Vergangenheit verschwindet und das Neue, das scheinbar Glatte kommt. Sinta Werner spielt in ihren Fotocollagen, Installationen und Skulpturen mit der Realität und deren Abbild und reflektiert das JETZT durch Scheinräume und Spiegel.

Im Objekt von Ulrike Möschel kommt das Momenthafte der Gegenwart im Augenblick der Reflexion durch eine spiegelnde Oberfläche zum Tragen. Dafür nutzt sie Blattsilber, ein altes und traditionelles Material für die Herstellung von Spiegeln. In Düsseldorf verweist Möschel mit zusätzlichen, grün oxidierten Oberflächen auf die Vergangenheit.

Wie bei einer Ausstellung im Schloss Biesdorf gewohnt, sind auch in „Sehnsucht nach dem Jetzt“ Arbeiten aus dem Bestand des Kunstarchivs Beeskow vertreten. Die Werke von Annette Peuker-Krisper, Jörg Jantke und Michael Morgner erweitern den Blick auf das Thema um Positionen aus Sicht von Künstlerinnen und Künstlern, die in der DDR tätig waren.

Das JETZT,
ebenso wie die Sehnsucht nach demselben, nehmen wir als eine Abfolge von Momenten, die wir in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterteilen, wahr. Aber was ist Gegenwart, der Moment, Augenblick, das JETZT? Ist es überhaupt zu fassen? Oder ist es nicht bereits verflossen, sobald wir es uns bewusstmachen? Diese Frage und der Umgang damit, scheint für uns Menschen immens wichtig zu sein. Die Sehnsucht nach dem JETZT, ebenso wie das Scheitern daran, wurde und wird sowohl von den großen Religionen als auch der Philosophie behandelt. Die Menschen haben sich etliche Strategien erdacht, um selbstvergessen den Moment, und nur den Moment, zu leben. Der (positive) Moment soll genossen werden, das Ausblenden von Vergangenheit und Zukunft zu größtem Glück führen. Aber kommen wir da überhaupt hin? Zum JETZT?

Das künstlerische Schaffen ist ebenso wie das JETZT immer auch risikobehaftet. „Sehnsucht nach dem Jetzt“ präsentiert daher an allen Orten sowohl bereits fertige Arbeiten als auch direkt vor-Ort geschaffene Arbeiten wie etwa Installationen oder Performances, um damit der Unsicherheit des Momentes gerecht werden.

Publikation
Zur Ausstellung erscheint eine Zeitung, die das Spektrum der künstlerischen-visuellen Arbeiten der Ausstellung um das geschriebene Wort und kreative „Anmerkungen“ erweitert.

Gegliedert im Stil einer klassischen Tageszeitung in die Rubriken Politik, Feuilleton, Vermischtes, Anzeigen etc. versammelt diese „Eine Zeitung für alle Tage“ sowohl künstlerische Arbeiten als auch wissenschaftliche Beiträge, Gedichte, literarische Texte usw.

Das Veranstaltungsprogramm und Angebote zur Kunstvermittlung finden sich auf www.schlossbiesdorf.de

Ausblick
Die Düsseldorfer Ausstellung (2021) reflektiert neben der Vergangenheit auch die philosophische Kontemplation, die Ausstellung in Dresden (GEH8 Kunstraum 12.06. – 28.06.2020) verknüpft den politischen Gestaltungswillen mit der Zukunft. 

 

Weitere Informationen zu der Ausstellung und den Künstler können Sie auf der Website "https://sehnsuchtnachdemjetzt.de/" nachlesen.

 

Eine Veranstaltung des Fachbereichs Kultur Marzahn-Hellersdorf.
Mehr Informationen zur Kultur in Marzahn-Hellersdorf finden Sie im Internet unter www.kultur-marzahn-hellersdorf.de.

 

Von Menschen und Mauern – 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer

alle Fotos aus den Ausstellungsräumen © Birgitta Schmidt

Ausstellung vom 28.10.2019-14.02.2020
Vernissage am 27.10.2019, 18:00-22:00 Uhr

Vor 30 Jahren, im November 1989 wurde die Berliner Mauer, Symbol der deutschen Teilung,nach 28 Jahren ihrer Existenz durch starken öffentlichen Druck vieler Menschen im Ostteil des Landes versehentlich geöffnet. Auslöserwar ein missverständlich formulierter und auf einer Pressekonferenz durch Günter Schabowski verlesener Zettel, O-Ton: „Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich“. Aus Anlass dieses weltweit symbolträchtigen Ereignisses eröffnet das Schloss Biesdorf am 27. Oktober 2019 die Ausstellung Von Menschen und Mauern. Die Ausstellung zeigt neben verschiedenen künstlerischen Arbeiten zur Berliner Mauer, deren Öffnung und ihrem langsamen Verschwinden, Positionen zu politischen Mauern im globalen Kontext. Mauern grenzen weltweit heute noch ab und aus, sie sperren ein, beengen und trennen Menschen voneinander. Die Sichtweisen der beteiligten Künstlerinnen und Künstler zeigen Trennlinien und Grenzenzwischen Ein-und Ausgeschlossenen auf, beleuchten das Verhältnis zwischen Mensch und politischer Macht. Gezeigt werden Werke der bildenden Kunst verschiedener Genres: Malerei, Grafik, Plastik, Fotografie, Performance, Multimedia und Video.

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler:
Marina Abramovic/Ulay, Kurt Buchwald, Christo (Reproduktion mit freundlicher Unterstützung von Matthias Koddenberg), Sighard Gille, Sabina Grzimek, Franz John, Martin Kippenberger (Reproduktion mit freundlicher Unterstützung der Galerie Gisela Capitain), Mark Lammert, Wolf Leo, Ute Mahler und Werner Mahler, Rudi Meisel, Manfred Paul, Stefan Roloff, Jürgen Schneider, Erasmus Schröter, Victor Sloan, Peter Thieme, Wolf Vostell und Dieter Wendland u. a.

Kuratiert von Gabriele Muschter und Uwe Warnke in Zusammenarbeit mit Karin Scheel
Leihgeber: die Künstlerinnen und Künstler, DPA

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Dialogische Führungen durch die Ausstellung mit Fenia Franz (Labor M), samstags, 14:00-15:00 Uhr
Termine: 02.11. / 09.11. / 16.11. / 23.11. / 30.11. / 07.12. / 14.12.2019 // 11.01. / 18.01. / 25.01. / 01.02.2020
Weitere Informationen zum Begleitprogramm: Labor M – Kunstvermittlung

Eine Veranstaltung des Fachbereichs Kultur Marzahn-Hellersdorf.
Mehr Informationen zur Kultur in Marzahn-Hellersdorf finden Sie im Internet unter www.kultur-marzahn-hellersdorf.de.

 
Die Ausstellung

Marina Abramovic / Ulay, Performancekünstler, New York, Amsterdam / Ljubljana
„China Ring”, 1986

In Vorbereitung auf ihr Langzeitprojekt „The Lovers – The Great Wall Walk“ reisten sie durch China, um Land und Leute kennenzulernen. Dabei ist das Video „China-Ring“ entstanden. 1988 beendeten beide ihre Zusammenarbeit mit dem Projekt „The Lovers – The Great Wall Walk“. In neunzig Tagen gingen sie von beiden Enden der Großen Chinesischen Mauer aufeinander zu um sich am letzten Tag, dem Tag der Begegnung endgültig voneinander zu trennen.

Kurt Buchwald, Fotograf, Aktionskünstler, Berlin
aus der Serie: „Ein Tag in Ostberlin“, 1986 / 2019, Foto-Print auf Alu-Dibond
„Blendenwagen“, 2005, Spanplatte und Holz, gestrichen

Kurt Buchwald arbeitet seit jeher konsequent konzeptuell. Von Anfang an hat er das Medium Fotografie selbst befragt. In seinen Arbeiten führt er uns immer wieder vor, was der Vorgang des Fotografierens eigentlich ist. Dabei liegt auf der Hand, dass der Blick durch den Sucher ein außerordentlich eingeschränkter ist.

Christo (1935-2009), New York
Provisorisches Mauerprojekt mit Metallfässern (Rue Visconti, Paris, 6. Arrondissement), 1961 / 62
, Collage und Schreibmaschinentext
Unter dem Eindruck des Mauerbaus 1961 errichtete Christo ein Jahr später – 1962 – zusammen mit seiner Frau Jeanne-Claude eine Mauer aus Ölfässern in der Rue Visconti auf dem linken Pariser Seineufer. Der Titel „Der eiserne Vorhang“, sein Anliegen: zu zeigen, welche Auswirkungen die abgebrochene Verbindung von Wegen zwischen Menschen haben.
(Reproduktion mit freundlicher Unterstützung von Matthias Koddenberg)

Sighard Gille, Maler/Grafiker, Leipzig
„Der Anfang von Etwas“, Objekt, 1989

Sighard Gille malte kurz nach dem Mauerfall ein Bild unter dem ersten Eindruck dieses Ereignisses, war dann aber so verunsichert und überwältigt von den schnellen Veränderungen, dass er die Farbe wieder von der Leinwand kratzte und in ein Sülzwurstglas füllte.
Es istauch als gescheiterter Versuch zu verstehen, den der Künstler auf diese Weise hintergründig und humorvoll in etwas Neues zu verwandeln versteht.
„Stern der Einheit“, Öl auf Leinwand, 1991
9.10.89“, Öl auf Leinwand, 1989

Sabina Grzimek,  Bildhauerin, Berlin und Brandenburg
„Sieben Gesten des aufrechten Ganges“, 1993,
Bronze, (mittlere Fassung)
Aufzählende, Schauende, Fragender, Aus dem Wasser Steigende, Rufer, Denker, Mahner
Die Figuren sind alle eher abweisend, auf ihr Inneres konzentriert, brüsk nach außen – sie behaupten sich.
Der aufrechte Gang als Sinnbild für Stolz, Würde, Charakterstärke. Die Figuren haben Rückgrat und bleiben konsequent, auch in schwierigen Situationen: als ein moralisches Statement des Gewissens. Neben den Figuren werden Radierungen der Künstlerin gezeigt.

Franz John, Mulitmedialkünstler, Berlin
„interzone“, 1999, CD-ROM, iMac-Computer + Mouse

Unmittelbar nach Öffnung der Berliner Mauer, den Todesstreifen einbezogen, fuhr Franz John die gesamte Mauerstrecke vollständig ab. Er wollte ihren Zustand festhalten – während die Touristen versuchten im innerstädtischen Bereich Mauerstücke aus derselben herauszubrechen. Unter den argwöhnischen Blicken von Grenzbewachern auf ihre sinnlos gewordenen Tätigkeiten erstellte er die Grundlagen für ein Dokument, das er später in der hier gezeigten CD ROM veröffentlichte.

Martin Kippenberger (1953-1997), Berlin, Paris, Wien und anderswo
O. T., aus der Serie „lieber Maler, male mir“, 1981,
Reproduktion auf Alu-Dibond
1981 entstand das Bild „Lieber Maler male mir“, das er nicht selbst malte, sondern als ironisierende Darstellung der geteilten Stadt Berlin „in Auftrag gab“.
(Reproduktion mit freundlicher Unterstützung der Galerie Gisela Capitain)

Mark Lammert, Maler/Grafiker, Berlin
Bildserie „ALLIIERT“, 1994-1996, Öl auf Rückseiten von Landkarten

Die großformatige Bildserie mit dem Titel Alliiert lässt an den Zustand Deutschlands nach Ende des 2. Weltkrieges denken, an die Zerrissenheit der Menschen, an Schuld und Sühne. Die menschliche Figur, stark reduziert, verfügbar als Material. Allein der Bildträger dieser Malerei, Rückseiten alter, auf Leinen aufgezogene Landkarten, die ein Europa zeigten, wenn man sie sähe, dass es so auch nicht mehr gibt, öffnet eine weitere Dimension.

Wolf Leo, Gestalter, Berlin
„Mal-Gründe: Die Ostseite der Berliner Mauer“,
Malaktion am Potsdamer Platz, 19.-21.11.1989, 1989 / 2019, Collagen, Reproduktionen
Wolf Leo hat die Malaktion am Potsdamer Platz am 21.11.1989 mit initiiert.
Künstler trafen sich, um die Mauer von der Ostseite her zu bemalen. Grenzsoldaten übertünchten am anderen Tag alles – erst Monate später entstand die „Eastside-Galerie“. Die Künstler waren mit ihrer Aktion zu früh dran.

Ute Mahler und Werner Mahler, Fotografen, Berlin
Serie „Wo die Welt zu Ende war“, 2010-2012

Die Serie „Wo die Welt zu Ende war“ ist in gemeinsamer Arbeit 2010-2012 entstanden. Mit dem sicheren Gefühl, dass Geschichte nie vorbei ist, reisten sie an die ehemalige „grüne“ Grenze. An der vormals manifesten Trennlinie zwischen den politischen Blöcken erlebten sie die Reste eines Sperrgebietes, in dem der Tod zuhause und die Welt tatsächlich einmal zu Ende war.

Rudi Meisel, Fotograf, Berlin
Aus der Serie „Landsleute“, 1977-1987

Als westdeutscher Fotograf begleitete er im Auftrag die Journalistin Marlies Menge bei ihren Reisen in und durch die DDR. Dabei entwickelte er einen Blick auf den vorgefundenen Alltag, der auf das Verbindende aus ist, es erkennt und festhält. Dieser ist nicht denunzierend, besserwisserisch und überheblich. Er ist geradezu irritierend, überraschend. Es schwingt viel Humor mit.

Manfred Paul, Fotograf, Berlin
20.04.1990 – 15.00 Uhr – Köpenicker Straße / Panorama, 1990, Digital-Print auf Alu-Dibond
20.03.1990 – 07:00 – Schwedter Straße, 1990, Baryt-Print
24.02.1990 – 16:30 – An der  Buchholzer Straße, 1990, Baryt-Print
18.06.1990 – 18:00 – Bernauer Straße, 1990,Baryt-Print'
21.03. 1990 – 9:30 – Am Falkplatz, 1990, Baryt-Print
20.02.1990 – 8:30 – An der Buchholzer Straße, 1990, Baryt-Print
19.04.1990 – 10:00 – Friedhof St. Hedwig-Gemeinde / Französische Domgemeinde, 1990, Baryt-Print
02.01.1990 – 14:00 – Schwedter Straße,
1990, Digital-Print
Die impressiven Fotografien Manfred Pauls sind einem beiläufigen Alltag gewidmet. Nur betiteltmit Datum, Uhrzeit und Ortrufen sie ins Gedächtnis, was als banale Erscheinung oft übersehen wird und sind so auch als Chronik verschwundener Orte.

Stefan Roloff, deutsch-amerikanischer Maler, Videokünstler und Filmemacher, Berlin / New York
Vopos in the East and Fopos in the West I – III, Foto der Aktion am Grenzübergang Bernauer Straße, Berlin, 1981, Leuchtkästen

Mit Lust auf Provokation geht der Künstler 1980 mit ein paar Freunden direkt an die Mauer und führt dort eine künstlerische Aktion durch. Gekleidet in weißgetünchte Militärmäntel und Mützen bauen sie einen Beobachtungsturm auf der mit Puppen besetzt ist, marschieren, nehmen Haltung an, observieren und werden observiert. Sie kopieren dabei in unperfekten Posen ein Reglement, das sie täglich jenseits der Mauer beobachten konnten. Ihr nicht ungefährlicher Auftritt war ein Theater des Absurden.

Jürgen Schneider, Autor und Künstler, Düsseldorf
Mauern in Westbelfast, 1990
Victor Sloan, Fotograf, Nord-Irland
Mauern in Nordirland, 2019

Jürgen Schneider und Victor Slohan fotografierten unabhängig voneinander die Mauern in Nordirland und doch zeigt sich in den Bildern übereinstimmend die Brutalität dieser Teilung.

Erasmus Schröter, Fotograf, Leipzig
Aus der Serie „Komparsen“, 2016 / 2017

Mit leicht spöttischem Blick suggerieren die Bilder (obwohl gar nicht konkret im Zusammenhang mit der Berliner Mauer entstanden) die Trostlosigkeit auch der Berliner Mauer. Ein Alltag, der alles überwölkt; sich abfinden mit den Gegebenheiten und hoffen.

Peter Thieme, Fotograf, Berlin
„Berliner Fluchten“, 1961-1988,
Fineart Prints
Peter Thieme fotografiert in den 2010er Jahren Orte an der Berliner Mauer, an denen zwischen 1961 und 1989 aktenkundig festgehaltene Grenzdurchbrüche stattgefunden haben – Berliner Orte / Berliner Fluchten und erzählt wie nebenbei schicksalhafte Ereignisse. Die authentischen Orte sind längst überformt, Straßen und bebaute Grundstücke an ihre Stelle getreten.

Wolf Vostell (1932- 1998), Maler, Bildhauer und Happeningkünstler, Berlin
9. November 89, 1989 (
Reproduktion auf Alu-Dibond), aus dem Zyklus „Fall der Berliner Mauer“
Ein Künstler voller Lebensenergie, und so reagierte er mit großer Freude auf die Nachricht, dass die Mauer nicht mehr existiere. Spontan malte er das großformatige Bild „9. November 89“, 1989 aus dem Zyklus „Der Fall der Berliner Mauer. Vostell begriff sich selbst als politischen Künstler. Zum Thema Mauer sind über 50 Werke von ihm entstanden, großformatige Malereien, Zeichnungen und Siebdrucke, einige davon werden in der Ausstellung gezeigt.

Dieter Wendland, Fotograf, Berlin
Die Bildsprache Wendlands ist ruhig und sachlich, sein Blick sehr genau ohne zu sezieren. Schmerz über die Trostlosigkeit der durch eine Mauer geteilten Stadt wird in den Bildern deutlich.

 

Die folgenden Arbeiten zeigen wir mit freundlicher Unterstützung der dpa/Deutsche Presse-Agentur GmbH:

Gary Moon
„U.S. – Mexico Border Fence and Landscape”, o. J., Digital-Print

Charlie Riedel
„US Mexico Border Wall Arizona”, 2019, Digital-Print

Sahan Nuhoglu
„Nicosia: The last divided capital of Europe”, 2016, Digital-Print

Achim Scheidemann
„Zypern – Griechische Grenze in Nikosia“, 2006, Digital-Print

Issam Rimawi
Passages to Jerusalem for the first Friday prayer of Ramadan, 2019, Digital-Print

Jürgen Schwenkenbecher
„Ost-Jerusalem: Leben mit der Mauer“, 2018, Digital-Print

Agency Yonhap
„Night view of Demilitarized Zone”, 2018, Digital-Print

Ahn Young-Joon
„South Korea Koreas Diplomacy”, 2018, Digital-Print

Thomas Haupt
„China, Mutianyu, Great Wall”, o. J., Digital-Print

Sun Jun Badaling
„Great Wall bursting with autumn colors”, o. J., Digital-Print

 

KLASSE DAMEN!

Ellen Kobe: "Wärest Du …", Performance zur Vernissage "KLASSE DAMEN!", 2019
© Vorschaubild: Tom Wagner / © Video: Ellen Kobe

100 Jahre Öffnung der Berliner Kunstakademie für Frauen
Ausstellung vom 17.06.2019 bis 13.10.2019
Vernissage: 16.06.2019, 18:00-22:00 Uhr

mit Birgit Bellmann (Druckgrafik), Alke Brinkmann (Malerei), Ines Doleschal (Collage), Else (Twin) Gabriel (Fotografie, Video, Malerei), Ellen Kobe (Performance, Installation), Coco Kühn (Installation), Petra Lottje (Video, Zeichnung), Seraphina Lenz (Wandarbeit, Objekt), Cornelia Renz (Zeichnung), Karin Rosenberg (Objekt), Fiene Scharp (Cut-out), Elisabeth Sonneck (Installation), Ute Weiss Leder (Installation), Gaby Taplick (Installation)

sowie Charlotte Berend-Corinth (Druckgrafik), Hannah Höch (Collagen), Marg Moll (Plastik), Lotte Laserstein (Zeichnung), Doramaria Purschian (Zeichnung, Malerei), Emy Roeder (Plastik), Erna Schmidt-Caroll (Zeichnungen, Malerei), Maria Slavona (Malerei), Gertrud Spitta (Malerei), Milly Steger (Plastik), Elisabeth Voigt (Druckgrafik) und Julie Wolfthorn (Malerei, Zeichnung).

Ab März 1919 durften Frauen an der Königlichen Kunstakademie in Berlin studieren. Bis dahin waren sie auf Privatlehrer, überteuerte „Damenklassen“ oder Kunstgewerbeschulen angewiesen. Heute kennt man nur wenige der Künstlerinnen, die sich im 19. Jahrhundert bis zum 1. Weltkrieg im patriarchalischen Kunstbetrieb behaupteten und bisweilen eine anerkannte und existenzsichernde Position erkämpfen konnten. Ihre Werke liegen heute noch weitgehend unerforscht in Archiven und Depots. Einige wenige wie Jeanne Mammen, Lotte Laserstein und Renée Sintenis erfahren jüngst späte, noch zaghafte Wertschätzung.

In einer Ausstellung im Schloss Biesdorf wollen wir den zum Teil noch unbekannten Werken von Bildhauerinnen und Malerinnen der ersten Generation wie Julie Wolfthorn, Marg Moll, Milly Steger oder Erna Schmidt-Caroll Positionen zeitgenössischer Künstlerinnen aus Berlin gegenüber stellen. In Porträts und Landschaftsbildern, Stillleben und Kinderbildnissen zeigen die Künstlerinnen der Klassischen Moderne nicht nur ihr Talent, sondern auch ihr Befangensein in einer Motivwelt, die ihnen von ihren männlichen Kollegen diktiert wurde. Wenn Hannah Höch und andere hier bewusst mit der ikonografischen Tradition brechen und inhaltlich an gesellschaftliche Tabus rühren, dann stellt das ihren großen  Mut und ihr Selbstbewusstsein unter Beweis. Tabus zu brechen ist auch ein Anliegen der zeitgenössischen Künstlerinnen. Sie erarbeiten orts- und ausstellungsbezogen Werke, die den heutigen Kunstbetrieb – seine Ausstellungspraxis und Förderstrukturen, sein Wertesystem und Geschlechterfragen – kritisch reflektieren. Über Rauminstallationen, Film und Video, Cut-outs, Collagen, Malerei und Performance eröffnen die Berliner Künstlerinnen einen visuellen Dialog mit den Künstlerinnen von damals und schaffen einen Denkraum für Fragen, die damals wie heute virulent sind.

In Verbindung mit einem Vermittlungskonzept und Begleitprogramm aus Vorträgen, Filmen, Lesungen und einem Diskussionsforum im Vortragssaal des Schlosses verstehen wir die Ausstellung KLASSE DAMEN! als Beitrag zu einem gesellschaftspolitischen Diskurs und als Anstoß für eine öffentlichkeitswirksame Reflexion. Als Künstlerinnen und Kuratorinnen, als Frauen, für die der Spagat zwischen Familie und künstlerischer Arbeit tägliche Herausforderung ist, haben wir ein großes Interesse daran, die weitgehend unbekannte Geschichte der Zulassung von Frauen an den Kunstakademien öffentlich(er) zu machen. Mit ihr thematisieren und erörtern wir alle Implikationen, die sich für die Frauen damals ergaben und bis heute ergeben – von familiären Brüchen, Kinderlosigkeit und Armut über Diffamierung, Vorurteilen und Ächtung bis zu den „modernen“ Problematiken wie einer strukturellen Diskriminierung im Kunstbetrieb mit seinem immer noch grassierenden gender pay und gender show gap.

Kuration: Ellen Kobe und Ines Doleschal in Zusammenarbeit mit Karin Scheel
Leihgeber: Bröhan-Museum, Georg Kolbe Museum, Kunstarchiv Beeskow, Bezirksamt Reinickendorf zu Berlin, Galerie Die Möwe Berlin, Berlinische Galerie, Akademie der Künste, Das Verborgene Museum, sowie Privatsammler*innen

Dialogische Führungen durch die Ausstellung mit Fenia Franz (Labor M)
samstags, 22.06. / 29.06. / 06.07. / 13.07. / 10.08. / 17.08. / 24.08. / 07.09. / 14.09. / 21.09. / 28.09.2019 jeweils 14:00–15:00 Uhr

Begleitprogramm: Labor M – Kunstvermittlung

 

Aus den Printmedien:

Emanzipation vor 100 Jahren: Aufstieg mit Hindernissen

Katrin Bettina Müller, TAZ, 14.07.2019

"Klasse Damen!": Als Frauen die Kunstwelt eroberten

Susan Kizilirmak, Berliner Morgenpost, 16.07.2019

Nicht nur "Klasse Damen": Großer Zuspruch fürs Schloss Biesdorf

Ingo Salmen, Der Tagesspiegel, 03.09.2019

Diese Werke verstehe, wer will

Die Hellersdorfer, 03.09.2019

Klasse Damen!“ im Schloss Biesdorf

Susan Kizilirmak, tip Berlin, 09.08.2019

 

COLLECT, SELECT, SAY GOOD-BYE

sammeln, auswählen, loslassen

Arbeiten von Kathrin Sohn, Burchard Vossmann, Ila Wingen, Sophie Tiller, Almud Moog, Doris Hinzen-Röhrig und Susanne Piotter

Ausstellung vom 08.04.2019 – 07.06.2019
Vernissage am 07.04.2019, 18:00 Uhr

Ererbt, gekauft, erschaffen oder auch leidenschaftlich gesammelt, ein Durchschnittshaushalt besitzt im Laufe seines Lebens angeblich 10.000 Gegenstände. Eine erstaunliche Zahl, die gleichwohl deutlich macht: Wir sammeln Dinge an, wir wählen sie aus – und lassen sie los, früher oder später. Eine klassische Sammlung skurriler Objekte, ein ererbter Künstlernachlass, Bilderfluten in sozialen Medien, das ständige Anwachsen des eigenen künstlerische Werkes, aber auch sogenannte  Staubfänger und globale Müllansammlungen sind inhaltliche Ansätze der jeweiligen künstlerischen Arbeiten der Ausstellung im Obergeschoss des Schloss Biesdorf. Dinge zu  bewahren, zu transformieren, zu verschenken oder zu entsorgen verlangt individuelle Entscheidungen. Was macht Dinge für Menschen wertvoll oder wertlos? Diesen Fragen gehen die Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung in Installationen, Objekten, Fotografien und Zeichnungen nach. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Dialogische Führungen durch die Ausstellung mit Fenia Franz (Labor M)
samstags, 04.05. / 11.05. / 18.05. / 25.05.2019 jeweils 14:00–15:00 Uhr

+++ Die Führung am 11.05.2019 entfällt! +++

weitere Informationen zum Begleitprogramm: Labor M – Kunstvermittlung

 

MaHe inside

Fotografien von Gerhard Westrich

Ausstellung vom 08.04.2019 – 07.06.2019
Vernissage am 07.04.2019, 18:00 Uhr

Der Fotograf Gerhard Westrich porträtierte in den vergangenen Monaten zahlreiche Menschen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Er suchte nicht den repräsentativen gesellschaftlichen Querschnitt, sondern die persönlichen Geschichten und Stimmungen.

Ergänzt durch kurze Statements der Porträtierten, zeigt die Ausstellung „MaHe inside“  im Erdgeschoss des Schlosses eine Auswahl der entstandenen Fotografien. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, finanziert durch die Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst.

 

Hybrid Sculptors – der (un)sichtbare Garten

Virtuelle Realität, Musik und Performance
mit Keez Duyves (NL) und Thomas Bratzke (D)

Rauminstallation am 01. und 02. Juni 2019, 12:00-20:00 Uhr, Heino-Schmieden-Saal

Die Künstler Keez Duyves (NL) und Thomas Bratzke der Gruppe Hybrid Sculptors erschaffen im Schloss Biesdorf einen virtuellen Blütengarten mit Hilfe der Technik der „Erweiterten Realität“ (engl. Augmented Reality (AR)). Reale Pflanzen und Gegenstände aus der Welt des Gärtners erhalten eine zusätzliche räumliche Ebene, die über Projektionen sichtbar werden. Dieser Prozess wird musikalisch begleitet. Die Besucher aller Altersstufen sind eingeladen, das Werden dieser virtuellen Installation zu begleiten.

Der Potator ist eine Erfindung des Künstlers Keez Duyves des Kollektivs PIPS:lab (NL). Dieses auf einem Motion Capturing System und Augmented Reality (AR) basierende, vielfältig einsetzbare Werkzeug wird im Rahmen des Projekts HALFHALF, welches in Zusammenarbeit mit dem Künstler Thomas Bratzke aka ZASD entwickelt wurde, dazu verwendet, um Leinwände durch virtuelle, dreidimensionale Farbe in den Raum zu erweitern: Real gemalte Bilder setzen sich virtuell von der Fläche in den Raum fort. Der Potator vereint Malerei, Skulptur und Bewegung und lädt seine Nutzer ein, die Realität zu gestalten ...

 

Fernwärme

Marzahn Hellersdorf Fotografische Positionen
Ein Projekt der Ostkreuzschule für Fotografie und des Bezirksamtes
Marzahn-Hellersdorf anlässlich des 40jährigen Bezirksjubiläums.

Ausstellung vom 17.02. – 29.03.2019
Finissage am 29.03.2019 von 18:00 bis 22:00 Uhr

Ab März 2018 waren 20 Studierende der Ostkreuzschule, die als eine der renommiertesten Ausbildungseinrichtungen für Fotografie in Deutschland gilt, in Marzahn-Hellersdorf unterwegs. Statt Imagefotos sollte mit dem Blick und der Sichtweise junger Fotografinnen und Fotografen ein ehrliches Porträt des Bezirkes entstehen. Ein halbes Jahr lang durchstreiften sie den Bezirk mit ihren Kameras, lernten Menschen und Plätze kennen. Sie erarbeiteten ein Fotoporträt des Bezirks aus Anlass seines 40-jährigen Bestehens, das nun ab dem 16. Februar 2019 im Schloss Biesdorf den kulturellen Auftakt für dieses Jubiläum in Form einer großen Fotoausstellung unter dem Titel „Fernwärme“ bildet.

Bedient wurden alle Genres der Fotografie, vom Architekturbild bis zum Porträt. Die FotografInnen mussten niemandem zu Gefallen sein, keinen Kunstmarkt bedienen, keine Werbefläche bespielen, keine Elendsreportage bebildern. Sie konnten Dokumentaristen sein, Finder, Erzähler, Träumer. Und deswegen sind diese Bilder so besonders geworden, so neu, so anders, so ehrlich und genau. Ihre Arbeiten, die auf Klischees und Stereotype verzichten, wurden von den Lehrern der Fachklassen, Maria Sewcz und Tobias Kruse, betreut. In Zusammenarbeit mit Karin Scheel, der künstlerischen Leiterin von Schloss Biesdorf, kuratierte und betreute Ludwig Rauch als Projektleiter die Ausstellung. Zur Eröffnung erscheint unter der Redaktion von Dr. Oleg Peters dieser durch die Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW ) geförderte Katalog, dessen Druck freundlicherweise die Vattenfall Wärme Berlin AG übernahm.

Der Eintritt ist frei.

Vernissage: 16. Februar 2019 // 18:00-23:30 Uhr
Wir laden herzlich ein zur Eröffnung der Ausstellung. Außerdem Book Launch von "NY Edited. Belonging".

 

life spot

Partizipatorisches Projekt von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung
Künstlerische Leitung: Carola Rümper

Ausstellung vom 18.11.2018 bis zum 08.02.2019

In dem Projekt wird die ehrenamtliche Tätigkeit von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung in den Mittelpunkt gestellt. Das Engagement dieser Menschen wird in der Gesellschaft kaum beachtet. In der Regel werden sie nur als Hilfebedarfsempfänger*innen wahrgenommen. Das Projekt bricht mit dieser einseitigen Wahrnehmung.

In einem begleiteten künstlerischen Prozess unter Leitung der Künstlerin Carola Rümper entwickelten die Teilnehmer*innen Fotografien, die das eigene Ehrenamt repräsentieren. Die fotografischen Ergebnisse werden in dem Memospiel life spot zusammengefasst.

In der Ausstellung sind alle entstandenen Fotografien auf dem Boden liegend als Riesen-Memo zu sehen. Die raumgreifende Installation ist gleichzeitig begehbare Spielfläche, jede einzelne ist Spielkarte 45 x 45 cm groß. Die Besucher*innen sind aufgefordert, wie im kleineren Vorbild, die jeweils gleichen Bildpaare zu finden.

Das Gedächtnisspiel ist ein gesellschaftlich bekanntes und beliebtes Medium, um Menschen zusammen zu bringen. Eine Spielform, die visuell in ein Thema einführt. In life spot werden eigenwillige Motive zu einem besonderen Thema gewählt. Inklusion oder Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft rückt als Thema in den Vordergrund. Durch die Memospiel-Form wird das Thema „spielerisch“ in die Gesellschaft getragen.

Der Eintritt ist frei.

 

Soft City – Stadt & Kunst // Japan & Berlin

© alle Fotos: Birgitta Schmidt

Aussstellung vom 07.09.2018 bis 08.02.2019

Die Ausstellung "Soft City" im Schloss Biesdorf zeigt Werke von Künstler*innen aus Japan und Deutschland, die sich mit urbanen Entwicklungen in Japan und Europa auseinandersetzen. 

In der Ausstellung "Soft City" tragen sie diese Erfahrungen in den Berliner Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf, um mit dem Ort und natürlich – vor dem Hintergrund der unterschiedlichen kulturellen Kontexte – mit den Menschen in einen Dialog zu treten. In den letzten Wochen waren einige der Künstlerinnen und Künstler im Bezirk unterwegs, dabei entwickelte ortsspezifische Arbeiten fließen in die Ausstellung ein.

Im Fokus der künstlerischen Arbeiten der Ausstellung steht immer wieder der menschliche Maßstab, der im japanischen Stadtraum mit seiner kleinteiligen Holzarchitektur sehr viel präsenter ist als im Westen. In den verschiedenen Workshops, Performances, Stadterkundungen und anderen Begleitveranstaltungen geht es auch um mögliche Strategien und Visionen für urbane Gemeinschaften, die nicht von Masterplänen, sondern von der menschlichen Wahrnehmung und dem lebendigen Dialog im Stadtraum bestimmt werden.

Arbeiten von:
Florian Baron / Jenny Fadranski, David Bauer, Linda Havenstein, Masaru Iwai, Titus Spree, Yukihiro Taguchi / Chiara Ciccarello, Katsuhito Nakazato / Sugano Matsusaki, Yuji Ueno

Konzept und Kuration:
Titus Spree, Linda Havenstein, Karin Scheel

 

Die Ausstellung

Florian Baron / Jenny Fadranski„Marzahn 2017“
Auf dem 8. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei (SED) 1971 wurde beschlossen, das Wohnungsproblem als soziales Problem bis zum Jahr 1990 zu lösen. Die utopische Siedlung in Berlin-Marzahn sollte Teil dieser Lösung sein.
Im Jahr 1972 wurden zwei Forscher des DDR-Ministeriums für Kybernetik und Stadtplanung 45 Jahre in die Zukunft geschickt, um zu dokumentieren, wie sich die Siedlung entwickelt hat und ob das soziale Problem gelöst worden ist. Der ist ein SciFi-Mockumentary, der die städtebaulichen Utopien der DDR am Beispiel des Ostberliner Stadtteil Marzahns aufgreift. Mit der damals innovativen Technik des Super 8 Films erstellten Baron und Fadranski eine dokumentarische Momentaufnahme Marzahns im Jahre 2017, die eine Zeitreise so inszeniert, als würden Wissenschaftler der kybernetischen Forschungsabteilung der DDR aus den 70er Jahren das ehemalig utopische Marzahn unserer Gegenwart betrachten.
Der Film wird untermalt von Musik der Klangkünstlerin Jana Irmert aus ihrem Album FLOOD, veröffentlicht 2018 auf Fabrique Records, digital auf Bandcamp.

Linda Havenstein„Straßenwitz“
Für die Installation wurden im Bezirk Marzahn-Hellersdorf Fensterfassaden gefilmt, in denen sich das Licht der Fernseher im Inneren der Räume spiegelt.
Das flackernde Fernsehlicht wird auf weiteren Monitoren verstärkt, es suggeriert das Bild eines Morse-Codes, eine Art Kommunikation zwischen den Häusern und deren Bewohnern.
Die Installation suggeriert eine Beziehung und eine interne Kommunikation in der Gemeinschaft, die trotz der klar abgetrennten Häuser und Räume zwischen den Bewohnern existiert und eine Öffentlichkeit schafft. “Straßenwitz“ erweist sich letztendlich als eine humorvolle Karikatur auf den stereotypen und kategorisierenden Blick auf Marzahn-Hellersdorf.

Linda Havenstein„Things my father used to say“
Haushaltsübliche Türvorhänge sind zu einer raumfüllenden Installation zusammen geführt. In die einfarbigen Vorhänge sind farbige Muster gearbeitet, die auf den Blick wie rein dekorative Elemente erscheinen. Bei näherer Betrachtung aber entpuppen sich diese Muster als binäre Codes, die bei Entschlüsselung politische Parolen enthüllen.
Die Türvorhänge, die gleichzeitig als Raumteiler dienen, stehen für den Raum zwischen „Tür und Angel“, den ambivalenten Raum, der zwischen dem abgegrenzten Privaten und dem Öffentlichen liegt. Die eingearbeiteten Parolen gehen auf reale Parolen zurück, die eine konkrete politische Forderung innehatten, aber durch eine Verarbeitung im digitalen Raum eine Veränderung erfahren haben. Die politischen Parolen sind in ihrer Bedeutung genauso ambivalent, wie sich die öffentliche politische Diskussion in einen ambivalenten Raum zwischen der Straße und digitalen Raum verschoben hat.

Masaru Iwai„Marzahn Stratigraphie“
Masaru Iwai hat sich dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf in vielen künstlerischen Forschungstouren angenähert. Seine Erfahrungen, die Begegnungen mit Menschen und die Spuren ihres Agierens schichten sich in bewegten Bildern über die ursprüngliche Struktur einer vorhandenen Stadtplanung.

Katsuhito Nakazato / Sugano Matsusaki„Ecken“
Wenn Menschen aus ihren Häusern gehen, passieren sie natürlich Hausecken. Der Kontrast zwischen den Ecken und der dahinter erscheinenden Stadtlandschaft verschwindet als Teil des Alltäglichen aus dem individuellen Bewusstsein und ist doch archetypischer Teil der eigenen Lebensumwelt.
Die Ecken, die die Bewohner des Bezirks Marzahns - Hellersdorf  sehen, wurden jeweils in Paaren auf Paravents abgebildet. Die ursprüngliche, der Alltagslandschaft verborgene Landschaft wurde dabei freigelegt.

Katsuhito Nakazato  /Sugano Matsusaki“Gento” (Straßenkino)
Während der Erkundungstouren im Bezirk wurden durch die Künstler Abfall und Fundstücke zusammengetragen. Ihr Abbild wurde mit dem Gentoki, einem analogen japanischen Projektor, auf Wände projiziert. Die entstandenen Bilder wurden abfotografiert und bilden in der Ausstellung eine Serie von menschlichen Spuren im öffentlichen Raum.

Titus Spree„MMO“ (Moving micro office)
Titus Spree beschäftigte sich in seiner mehrschichtigen Arbeit mit verschiedenen Aspekten des öffentlichen Raumes im Bezirk Marzahn-Hellersdorf.
DasMoving micro office (MMO) ist ein  kleiner Raum auf Rädern. Bei 1 x 2 Metern Grundfläche und einer Höhe von 2,4 Metern kann man ihn zu Fuß ohne große Mühe durch die Stadt ziehen. Im Verlauf der Soft City – Ausstellung wird MMO als temporärer Dialog- und Kommunikationsraum durch den Bezirk Marzahn-Hellersdorf ziehen.  Das MMO wird vom Künstler auch  als Arbeitsraum genutzt, es ist natürlich auch ein Experiment und – wenn man so will ein Denkanstoß auf Rädern. Kreative Freiheit und das mögliche Einbringen des Einzelnen in die Gesellschaft im oftmals stark reglementierten urbanen Raum ist ein wichtiger Aspekt dieses Projektes.

Titus Spree„Schlafstadt“
Die Arbeit „Schlafstadt“ ist ein Spiel mit dem Begriff Schlafstadt, der im Zusammenhang mit „peripheren Vororten“ wie dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf, häufig gebraucht wird.
Eine Kugel aus Bambus rollte im Vorfeld der Ausstellung durch den Bezirk und wurde an verschiedenen Orten kurzfristig fixiert. Auch in die Höhe hinaufgezogen, könnte sie als Schlafbehausung dienen und eine neue Ebene im Stadtraum erschließen. Die Bambuskugel wird während der Ausstellung im Luftraum des Oktogons im Schloss Biesdorf aufgehängt.

Titus Spree„Tokio im Portikus“
Eine Stoffreplik eines kleinen Hauses aus Tokyo  im Portikus des Schlosses Biesdorf weist den Weg zur Ausstellung in das Schloss und visualisiert die unterschiedlichen architektonischen Dimensionen in verschieden Kulturen.

Yukihiro Taguchi / Chiara Ciccarello – "Strokes in Loco"
Yukihiro Taguchi und Chiara Ciccarello kreieren für die Ausstellung ein direkt auf den Straßen Marzahn-Hellersdorf realisiertes Animationsprojekt.
Dieses Kooperationsprojekt verbindet die reale Stadtlandschaft Marzahn-Hellersdorfs, die Taguchi in Stop-Motion Clips festgehalten hat, mit Ciccarello’s imaginären Figuren, deren Geschichten von der Umgebung inspiriert wurden. Beide erwanderten den Bezirk, filmten und zeichneten direkt vor Ort und notierten mithilfe eines transparenten Zeichenfläche die Zeichentrickfiguren in die echte Landschaft. Die Animation wird zusammen mit einer Installation von gemalten, transparenten Paneelen und Zeichnungen auf den Fenstern des Ausstellungsraums gezeigt

Yuji Ueno
Der japanische Künstler Ueno, gleichzeitig auch praktizierender Ikebana Meister, arbeitet mit der natürlichen Umwelt im Bezirk und insbesondere im Biesdorfer Schlosspark. Er nutzt für seine hochpräsenten Performances Fundstücke und Materialien aus der Natur. Für die Besucher ermöglicht seine Arbeit einen überraschend intensiven Blick auf die uns umgebenden Welt.

Der Eintritt ist frei.

 

"mancherorts" und "EXAMINING THE EDGE – peripheries in the mind and the city"

„mancherorts“ 

Arbeiten von Kirsten Johannsen, Bärbel Schlüter und Birgit Szepanski

Im Obergeschoss des Schlosses zeigen Kirsten Johannsen, Bärbel Schlüter und Birgit Szepanski Installationen, Objekte und Fotografien zu urbanen Erkundungen. Die Ausstellung mancherorts lenkt die Aufmerksamkeit auf die Wahrnehmung von Stadt. Die Künstlerinnen greifen in der jeweiligen eigenen Arbeitsweise urbane Beobachtungen für ortsbezogene Arbeiten auf: ihre Atmosphären, ihre ästhetischen Erfahrungsräume und ihre Geschichte(n).

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„EXAMINING THE EDGE – 
peripheries in the mind and the city“

Kooperation mit der der Fachklasse Experimenteller Film und Medienkunst der UdK Berlin unter Leitung von Prof. Nina Fischer und Dr. Marjan Sharifi

Im Erdgeschoss des Schlosses ist die Ausstellung „EXAMINING THE EDGE – peripheries in the mind and the city“ zum gleichnamigen Seminar der Fachklasse Experimenteller Film und Medienkunst der UdK Berlin unter Leitung von Prof. Nina Fischer und Dr. Marjan Sharifi zu sehen. Die Studierenden der UdK Berlin entwickeln künstlerische Positionen zum Leben in der räumlichen sowie mentalen Peripherie.
In Kooperation mit Schloss Biesdorf, Künstlerische Leitung: Karin Scheel
Im Rahmen von Make City, Berlin Remixing / Stadt neu gemischt.

Zu den Ausstellungen gibt es ein umfassendes Begleitprogramm, zu finden auf
www.labor-m.berlin

Der Eintritt ist frei.

 

„Ankommen“ – 21 künstlerische Positionen

Ausstellung vom 11.05. bis 15. 06.2018

Alle 21 Künstlerinnen und Künstler dieser Ausstellung haben oder hatten eine Zeitlang ihren Arbeitsort in Marzahn-Hellersdorf. Einige Werke thematisieren die Spuren dieses Ortes, des Ateliers - andere befragen die künstlerische Arbeit an sich. Ist Ankommen ein Ziel, eine Sehnsucht oder ein immer neu zu definierender Zustand? Ankommen bedeutet in dieser Ausstellung aber auch das Ankommen im Schloss Biesdorf, einer neuen Berliner Galerie. Arbeiten von: Charlotte Duale, Stephan von Arx, Robert Kipping, Thomas Bratzke, Maurice de Martin, Lukas Oertel, Thomas Wagner, Christian Schellenberger, Sascha Hundorff (mit Anna Herms und Steve Paul Steven Paul), Wadim Hermann, Enikö Marton, Carola Rümper, Thomas Prochnow, An Seebach, Christiane Stegat, Daniel Wolter, Tobias Löffler, Irene Pätzug, Anne Michaux, Caroline Wagner, Ramon Muggli (kuratiert von Karin Scheel) 

Der Eintritt ist frei.

 

Präsentationen des Kunstarchivs Beeskow (Archiv)

Grafik zu Liedern der Französischen Revolution

Ein Mappenwerk aus dem Bestand des Kunstarchiv Beeskow

Ausstellung vom 25.03. – 03.06.2019

1988 gibt der Verband der Bildenden Künstler der DDR eine Grafikmappe in Auftrag, die zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution erschein soll. Warum, so könnte man fragen, wird eben jenes historische Ereignis gewählt, welches so ambivalent ist und eine komplexe Deutungsgeschichte mit sich führt. Die Herausgeber der Grafikmappe hatten einen spezifischen Aspekt im Blick: So betont der Kunstwissenschaftler Peter Pachnicke im beiliegenden Text die „sinnliche Überzeugungskraft“ der Menschen, die auf den Straßen von Paris um Anerkennung rangen. Dieses dort beschworene Pathos ist in den Grafiken der 16 Künstler, die je ein Blatt beitrugen, allerdings nicht zu sehen.

1989 erscheint „Grafik zu Liedern der Französischen Revolution“  mit der Beilage einer Schallplatte mit insgesamt 21 von Dieter Süverkrüp gesungen Liedern, deren Texte aus der Zeit der Französischen Revolution stammen. Und auch wenn sich die Grafiken mit ihren Titeln auf jene Kampf- wie Liebeslieder beziehen, so spiegeln diese selten die Atmosphäre der Bilder. Hier begehrt kein Volk auf. In düsteren Visionen zeigen die Künstler in Lithografien, Radierungen, Aquatinta und einem Siebdruck, zweifelnde Figuren, Massen, die erneut von einem König unterdrückt werden und die Fratzen von zweifelhaften „Erben“, die bedrohlich nach vorn schreiten. Schwarz bestimmt viele der Kompositionen, seien es feine, zerbrechliche Arrangements oder mit dickem Strich geformte Figuren. Selbst die farbigen Blätter in diesem Kompendium sind ergriffen von dieser Drastik. Jener spannungsreiche Kontrast zwischen der Interpretation der Auftraggeber und den Interpretationen sowie Umsetzungen der Künstler, öffnet auch einen Blick auf den nunmehr historischen Moment 1989.

Mit Arbeiten von Ulrich Hachulla, Karl-Georg Hirsch, Joachim Jansong, Joachim John, Rolf Kuhrt, Werner Liebmann, Gerd Mackensen, Reinhard Minkewitz, Rolf Münzner, Ronald Paris, Volker Pfüller, Otto Sander, Stefan Thomas Wagner, Frank Wahle, Trak Wendisch und Winfried Wolk.

Der Eintritt ist frei.

Eröffnung: 24. März 2019 // 14 Uhr

 

"… und des Menschen Größe"

Grafiken und Fotografien zu Gedichten von Johannes R. Becher.
Präsentation des Kunstarchiv Beeskow – Archivierte Kunst aus der DDR

Falko Behrendt, Christian Brachwitz, Helmut Brade, Manfred Butzmann, Michael Diller, Andreas Dress, Hubertus Giebe, Konstanze Göbel, Dieter Goltzsche, Ulrich Hachulla, Joachim John, Barbara Köppe, Wolfgang Mattheuer, Manfred Paul, Christine Perthen, Wolfgang Petrovsky, Uwe Pfeifer, Helfried Strauß, Ursula Strozynski, Dieter Tucholke, Werner Wittig

Ausstellung vom 18.11.2018 bis zum 25. Februar 2019

Vernissage am Sonntag, 18. November 2018 um 11:00 Uhr

Grafikmappen sind Ausstellungen im Kleinen. Zwischen Mappendeckel und -boden schwebt das Potenzial, ein Thema, eine Idee tiefgehend und facettenreich in Bildern zu fassen. Massenorganisationen und politische Institutionen der DDR haben im Laufe ihrer 40 Jahre zahlreiche Grafikmappen in Auftrag gegeben. Im Kunstarchiv Beeskow liegt ein aussagekräftiger Bestand solcher Mappenwerke, mit Beispielen aus allen vier Jahrzehnten. Daran abzulesen ist die Entwicklung der Themenproduktion der DDR-Kulturpolitik, aber auch wie unterschiedlich die Künstlerinnen und Künstler mit diesen Setzungen umgegangen sind, wo die Grenzen des Sagbaren verliefen, wo Spielräume gewährt wurden. Vor allem zum Ende der 1980er Jahren erscheinen die Kompilationen immer vieldeutiger: Düsternis und Ambivalenz beherrschen viele Motive, die mehr als eine Interpretation zulassen.

Auch die Mappe „ … und des Menschen Größe. Grafiken und Fotografien zu Gedichten von Johannes R. Becher“ (1988) ist in diesem Zusammenhang zu sehen. „Schritt der Jahrhundertmitte“(1958), der letzte Gedichtband den Becher  vor seinem Tod schuf, diente 20 Künstlerinnen und Künstlern als Ausgangspunkt ihrer Arbeit. Es ist das Sinnieren eines Dichters wie linientreuen Sozialisten, zum Ende desillusioniert und zweifelnd, über Potenziale und Abgründe des menschlichen Daseins im Zusammenhang von Gesellschaft und Geschichte. Die Bilder, welche die Künstlerinnen und Künstler aus diesem Text gewinnen, zeigen den Menschen geprägt von Zerrissenheit, mal in drückender Einsamkeit, mal im Strudel gesellschaftlicher Prozesse, deren Erschaffer er selbst ist. Finden sich unter den 16 Grafiken einige, wenige farbige Blätter so erscheinen die 20 Fotografien in körnigem Schwarz-Weiß. Diese Aufnahmen sind Träger jener Melancholie für die die ostdeutsche Autorenfotografie nur wenige Jahre später berühmt werden wird.

Das Kunstarchiv Beeskow zeigt im Schloss Biesdorf in regelmäßigen Abständen Auszüge aus seinem Bestand. Die Präsentationen verweisen von Berlin aus auf die mehr als 20.000 Kunstwerke aus der Zeit der DDR, die im brandenburgischen Beeskow seit den frühen 1990er Jahren bewahrt und erschlossen werden.

Der Eintritt ist frei.

 

DIETER TUCHOLKE Negativbilder

Ein grafisches Mappenwerk aus dem Kunstarchiv Beeskow

Ausstellung vom 10.05.2018 bis 30.09.2018

Die neue Ausstellung des Kunstarchivs Beeskow ist dem Grafiker Dieter Tucholke (1934– 2001) gewidmet, der sich in der DDR intensiv und kritisch mit der deutschen Historie beschäftigt hat. Im Mittelpunkt steht seine Grafikfolge „Negativbilder“, die er 1980/81 zur preußischen Geschichte schuf und die zu seinen bekanntesten Werken gehört.

Der Künstler konzentrierte sich darin auf die Schwächen und Laster der preußischen Könige, denn ihren sogenannten Tugenden misstraute er zutiefst. In einer bis heute faszinierenden Bildsprache hat Tucholke die Porträts aus Symbolen und Objekten zusammengesetzt, die von kurzen spöttischen Texten begleitet werden.

Der Eintritt ist frei.