
Ausstellung vom 05.09.2022 bis 10.02.2023
Vernissage 04.09.2022, 18:00 bis 21:00 Uhr
Im Jahr seines 90. Geburtstages, sind die Werke Jürgen Wittdorfs erstmalig in einer umfassenden Retrospektive im Schloss Biesdorf zu sehen. Als Künstler in der DDR war Wittdorf vielen als Illustrator verschiedenster Bücher bekannt. Seine Werke, darunter unzählige meisterhafte Holzschnitte, sind durch den Realismusbegriff der damaligen Zeit geprägt, seine Darstellungen junger Menschen fanden allerdings vorerst bei der Staatsobrigkeit wenig Gefallen, zu sehr verwestlicht erschien ihnen dieser Blick auf die Jugend. Diese wiederum fand sich in Wittdorfs Bildern wieder. Später wurden sie in hoher Auflage gedruckt und verbreitet. Auch das eigene Sein als schwuler Mann spiegelt sich in diesen Werken.
Obwohl Homosexualität ab 1968 laut Gesetz nicht mehr strafbar war, war sie doch gesellschaftlich nicht akzeptiert, Wittdorf selbst konnte sich seine Sexualität lange nicht eingestehen. Aus heutiger Sicht sind seine Werke im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlich fixierten Normen der DDR und der sehr persönlichen Sicht auf diese Gesellschaft mehr als ein Zeitdokument. Die Kunstwerke Jürgen Wittdorf stehen auch für ein Künstlerleben, das mit dem Fall der Mauer kaum noch wahrgenommen wurde.
Ein großer Teil seines umfangreichen Werkes ist jetzt im Schloss Biesdorf zu sehen, ergänzt durch zeitgenössische Positionen von Veneta Androva, Norbert Bisky, Harry Hachmeister und Bettina Semmer. In den Arbeiten dieser Künstler:innen werden Themen wie Gender und künstliche Intelligenz (Veneta Androva), Schönheit, Sexualität, Gewalt und Zerstörung (Norbert Bisky), (Geschlechts-) Identitäten, Körper sowie deren Zuschreibungen (Harry Hachmeister), Körper als Element des politischen Handelns (Bettina Semmer) verhandelt.
Der visuelle Dialog mit diesen Positionen setzt das Werk Wittdorf in einen neuen Kontext, schafft Verbindungen seiner oft nur angedeuteten Themen in die aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen zu den vielen Facetten menschlicher Individualität.
Kuratiert von Stephan Koal und Karin Scheel.
Aus den Medien:
Claudia Wahjudi, tip Berlin, 30.08.2022
Radio Arty, FluxFM, 01.09.2022
Ingeborg Ruthe, Berliner Zeitung, 16.09.2022
Tom Mustroph, nd Journalismus von links, 19.09.2022
Gustav Seibt, Süddeutsche Zeitung, 20.09.2022
Axel Krämer, queer.de, 24.09.2022
Philip Oltermann, The Guradian / Großbritanien, 11.10.2022
Κωνσταντίνος Χριστοφόρου (Konstadinos Hristoforou), Athens Voice / Griechenland, 24.10.2022
Johanna Treblin, Der Tagesspiegel, 31.10.2022
Deborah Cole, Agence France-Presse (AFP), France 24 / Frankreich, 01.11.2022
Agence France-Presse (AFP), Raw Story Media / U.S., 01.11.2022
Agence France-Presse (AFP), Philippine Daily Inquirer / Philippinen, 01.11.2022
Agence France-Presse (AFP), Barron's / U.S., 01.11.2022
Agence France-Presse (AFP), The Manila Times / Philippinen, 01.11.2022
Agence France-Presse (AFP), L'essentiel / Luxemburg, 01.11.2022
Agence France-Presse (AFP), Exame / Brasilien, 01.11.2022
呂妍瑢 (Lu Yanrong), 自由時報 (Liberty Times) / Taiwan, 03.11.2022
Deborah Cole, Agence France-Presse (AFP), La Prensa / Mexiko, 03.11.2022
Agence France-Presse (AFP), The Local de – Germany's news in English / Schweden, 07.11.2022
Jenifer Venier, berlinomagazine.com / Italien, 14.11.2022
Laura Isola, La Agenda Revista Buenos Aires / Brasilien, 16.11.2022
Stephan Koal, Museumsjournal, 1/23
DDR-Maler Jürgen Wittdorf: Warum Pet-Shop-Boys-Sänger Neil Tennant ein so großer Fan ist
Stefan Hochgesand, Berliner Zeitung, 02.01.24
Stefan Hochgesand, Berliner Zeitung, 06.01.24