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Von Menschen und Mauern – 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer

alle Fotos aus den Ausstellungsräumen © Birgitta Schmidt

Ausstellung vom 28.10.2019-14.02.2020
Vernissage am 27.10.2019, 18:00-22:00 Uhr

Vor 30 Jahren, im November 1989 wurde die Berliner Mauer, Symbol der deutschen Teilung,nach 28 Jahren ihrer Existenz durch starken öffentlichen Druck vieler Menschen im Ostteil des Landes versehentlich geöffnet. Auslöserwar ein missverständlich formulierter und auf einer Pressekonferenz durch Günter Schabowski verlesener Zettel, O-Ton: „Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich“. Aus Anlass dieses weltweit symbolträchtigen Ereignisses eröffnet das Schloss Biesdorf am 27. Oktober 2019 die Ausstellung Von Menschen und Mauern. Die Ausstellung zeigt neben verschiedenen künstlerischen Arbeiten zur Berliner Mauer, deren Öffnung und ihrem langsamen Verschwinden, Positionen zu politischen Mauern im globalen Kontext. Mauern grenzen weltweit heute noch ab und aus, sie sperren ein, beengen und trennen Menschen voneinander. Die Sichtweisen der beteiligten Künstlerinnen und Künstler zeigen Trennlinien und Grenzenzwischen Ein-und Ausgeschlossenen auf, beleuchten das Verhältnis zwischen Mensch und politischer Macht. Gezeigt werden Werke der bildenden Kunst verschiedener Genres: Malerei, Grafik, Plastik, Fotografie, Performance, Multimedia und Video.

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler:
Marina Abramovic/Ulay, Kurt Buchwald, Christo (Reproduktion mit freundlicher Unterstützung von Matthias Koddenberg), Sighard Gille, Sabina Grzimek, Franz John, Martin Kippenberger (Reproduktion mit freundlicher Unterstützung der Galerie Gisela Capitain), Mark Lammert, Wolf Leo, Ute Mahler und Werner Mahler, Rudi Meisel, Manfred Paul, Stefan Roloff, Jürgen Schneider, Erasmus Schröter, Victor Sloan, Peter Thieme, Wolf Vostell und Dieter Wendland u. a.

Kuratiert von Gabriele Muschter und Uwe Warnke in Zusammenarbeit mit Karin Scheel
Leihgeber: die Künstlerinnen und Künstler, DPA

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Dialogische Führungen durch die Ausstellung mit Fenia Franz (Labor M), samstags, 14:00-15:00 Uhr
Termine: 02.11. / 09.11. / 16.11. / 23.11. / 30.11. / 07.12. / 14.12.2019 // 11.01. / 18.01. / 25.01. / 01.02.2020
Weitere Informationen zum Begleitprogramm: Labor M – Kunstvermittlung

Eine Veranstaltung des Fachbereichs Kultur Marzahn-Hellersdorf.
Mehr Informationen zur Kultur in Marzahn-Hellersdorf finden Sie im Internet unter www.kultur-marzahn-hellersdorf.de.

 
Die Ausstellung:

Marina Abramovic / Ulay, Performancekünstler, Nwe York, Amsterdam/Ljubljana
„China Ring”, 1986

In Vorbereitung auf ihr Langzeitprojekt „The Lovers – The Great Wall Walk“ reisten sie durch China, um Land und Leute kennenzulernen. Dabei ist das Video „China-Ring“ entstanden. 1988 beendeten beide ihre Zusammenarbeit mit dem Projekt „The Lovers – The Great Wall Walk“. In neunzig Tagen gingen sie von beiden Enden der Großen Chinesischen Mauer aufeinander zu um sich am letzten Tag, dem Tag der Begegnung endgültig voneinander zu trennen.

Kurt Buchwald, Fotograf, Aktionskünstler, Berlin
aus der Serie: „Ein Tag in Ostberlin“, 1986/2019, Foto-Print auf Alu-Dibond
„Blendenwagen“, 2005, Spanplatte und Holz, gestrichen

Kurt Buchwald arbeitet seit jeher konsequent konzeptuell. Von Anfang an hat er das Medium Fotografie selbst befragt. In seinen Arbeiten führt er uns immer wieder vor, was der Vorgang des Fotografierens eigentlich ist. Dabei liegt auf der Hand, dass der Blick durch den Sucher ein außerordentlich eingeschränkter ist.

Christo (1935-2009), New York
Provisorisches Mauerprojekt mit Metallfässern (Rue Visconti, Paris, 6. Arrondissement), 1961/62
, Collage und Schreibmaschinentext
Unter dem Eindruck des Mauerbaus 1961 errichtete Christo ein Jahr später – 1962 – zusammen mit seiner Frau Jeanne-Claude eine Mauer aus Ölfässern in der Rue Visconti auf dem linken Pariser Seineufer. Der Titel „Der eiserne Vorhang“, sein Anliegen: zu zeigen, welche Auswirkungen die abgebrochene Verbindung von Wegen zwischen Menschen haben.
(Reproduktion mit freundlicher Unterstützung von Matthias Koddenberg)

Sighard Gille, Maler/Grafiker, Leipzig
„Der Anfang von Etwas“, Objekt, 1989

Sighard Gille malte kurz nach dem Mauerfall ein Bild unter dem ersten Eindruck dieses Ereignisses, war dann aber so verunsichert und überwältigt von den schnellen Veränderungen, dass er die Farbe wieder von der Leinwand kratzte und in ein Sülzwurstglas füllte.
Es istauch als gescheiterter Versuch zu verstehen, den der Künstler auf diese Weise hintergründig und humorvoll in etwas Neues zu verwandeln versteht.
„Stern der Einheit“, Öl auf Leinwand, 1991
9.10.89“, Öl auf Leinwand, 1989

Sabina Grzimek,  Bildhauerin, Berlin und Brandenburg
„Sieben Gesten des aufrechten Ganges“, 1993,
Bronze, (mittlere Fassung)
Aufzählende, Schauende, Fragender, Aus dem Wasser Steigende, Rufer, Denker, Mahner
Die Figuren sind alle eher abweisend, auf ihr Inneres konzentriert, brüsk nach außen – sie behaupten sich.
Der aufrechte Gang als Sinnbild für Stolz, Würde, Charakterstärke. Die Figuren haben Rückgrat und bleiben konsequent, auch in schwierigen Situationen: als ein moralisches Statement des Gewissens. Neben den Figuren werden Radierungen der Künstlerin gezeigt.

Franz John, Mulitmedialkünstler, Berlin
„interzone“, 1999, CD-ROM, iMac-Computer + Mouse

Unmittelbar nach Öffnung der Berliner Mauer, den Todesstreifen einbezogen, fuhr Franz John die gesamte Mauerstrecke vollständig ab. Er wollte ihren Zustand festhalten – während die Touristen versuchten im innerstädtischen Bereich Mauerstücke aus derselben herauszubrechen. Unter den argwöhnischen Blicken von Grenzbewachern auf ihre sinnlos gewordenen Tätigkeiten erstellte er die Grundlagen für ein Dokument, das er später in der hier gezeigten CD ROM veröffentlichte.

Martin Kippenberger (1953-1997), Berlin, Paris, Wien und anderswo
O. T., aus der Serie „lieber Maler, male mir“, 1981,
Reproduktion auf Alu-Dibond
1981 entstand das Bild „Lieber Maler male mir“, das er nicht selbst malte, sondern als ironisierende Darstellung der geteilten Stadt Berlin „in Auftrag gab“.
(Reproduktion mit freundlicher Unterstützung der Galerie Gisela Capitain)

Mark Lammert, Maler/Grafiker, Berlin
Bildserie „ALLIIERT“, 1994-1996, Öl auf Rückseiten von Landkarten

Die großformatige Bildserie mit dem Titel Alliiert lässt an den Zustand Deutschlands nach Ende des 2. Weltkrieges denken, an die Zerrissenheit der Menschen, an Schuld und Sühne. Die menschliche Figur, stark reduziert, verfügbar als Material. Allein der Bildträger dieser Malerei, Rückseiten alter, auf Leinen aufgezogene Landkarten, die ein Europa zeigten, wenn man sie sähe, dass es so auch nicht mehr gibt, öffnet eine weitere Dimension.

Wolf Leo, Gestalter, Berlin
„Mal-Gründe: Die Ostseite der Berliner Mauer“,
Malaktion am Potsdamer Platz, 19.-21.11.1989, 1989/2019, Collagen, Reproduktionen
Wolf Leo hat die Malaktion am Potsdamer Platz am 21.11.1989 mit initiiert.
Künstler trafen sich, um die Mauer von der Ostseite her zu bemalen. Grenzsoldaten übertünchten am anderen Tag alles – erst Monate später entstand die „Eastside-Galerie“. Die Künstler waren mit ihrer Aktion zu früh dran.

Ute Mahler und Werner Mahler, Fotografen, Berlin
Serie „Wo die Welt zu Ende war“, 2010-2012

Die Serie „Wo die Welt zu Ende war“ ist in gemeinsamer Arbeit 2010-2012 entstanden. Mit dem sicheren Gefühl, dass Geschichte nie vorbei ist, reisten sie an die ehemalige „grüne“ Grenze. An der vormals manifesten Trennlinie zwischen den politischen Blöcken erlebten sie die Reste eines Sperrgebietes, in dem der Tod zuhause und die Welt tatsächlich einmal zu Ende war.

Rudi Meisel, Fotograf, Berlin
Aus der Serie „Landsleute“, 1977-1987

Als westdeutscher Fotograf begleitete er im Auftrag die Journalistin Marlies Menge bei ihren Reisen in und durch die DDR. Dabei entwickelte er einen Blick auf den vorgefundenen Alltag, der auf das Verbindende aus ist, es erkennt und festhält. Dieser ist nicht denunzierend, besserwisserisch und überheblich. Er ist geradezu irritierend, überraschend. Es schwingt viel Humor mit.

Manfred Paul, Fotograf, Berlin
20.04.1990 – 15.00 Uhr – Köpenicker Straße / Panorama, 1990, Digital-Print auf Alu-Dibond
20.03.1990 – 07:00 – Schwedter Straße, 1990, Baryt-Print
24.02.1990 – 16:30 – An der  Buchholzer Straße, 1990, Baryt-Print
18.06.1990 – 18:00 – Bernauer Straße, 1990,Baryt-Print'
21.03. 1990 – 9:30 – Am Falkplatz, 1990, Baryt-Print
20.02.1990 – 8:30 – An der Buchholzer Straße, 1990, Baryt-Print
19.04.1990 – 10:00 – Friedhof St. Hedwig-Gemeinde / Französische Domgemeinde, 1990, Baryt-Print
02.01.1990 – 14:00 – Schwedter Straße,
1990, Digital-Print
Die impressiven Fotografien Manfred Pauls sind einem beiläufigen Alltag gewidmet. Nur betiteltmit Datum, Uhrzeit und Ortrufen sie ins Gedächtnis, was als banale Erscheinung oft übersehen wird und sind so auch als Chronik verschwundener Orte.

Stefan Roloff, deutsch-amerikanischer Maler, Videokünstler und Filmemacher, Berlin/New York
Vopos in the East and Fopos in the West I – III, Foto der Aktion am Grenzübergang Bernauer Straße, Berlin, 1981, Leuchtkästen

Mit Lust auf Provokation geht der Künstler 1980 mit ein paar Freunden direkt an die Mauer und führt dort eine künstlerische Aktion durch. Gekleidet in weißgetünchte Militärmäntel und Mützen bauen sie einen Beobachtungsturm auf der mit Puppen besetzt ist, marschieren, nehmen Haltung an, observieren und werden observiert. Sie kopieren dabei in unperfekten Posen ein Reglement, das sie täglich jenseits der Mauer beobachten konnten. Ihr nicht ungefährlicher Auftritt war ein Theater des Absurden.

Jürgen Schneider, Autor und Künstler, Düsseldorf
Mauern in Westbelfast, 1990
Victor Sloan, Fotograf, Nord-Irland
Mauern in Nordirland, 2019

Jürgen Schneider und Victor Slohan fotografierten unabhängig voneinander die Mauern in Nordirland und doch zeigt sich in den Bildern übereinstimmend die Brutalität dieser Teilung.

Erasmus Schröter, Fotograf, Leipzig
Aus der Serie „Komparsen“, 2016/2017

Mit leicht spöttischem Blick suggerieren die Bilder (obwohl gar nicht konkret im Zusammenhang mit der Berliner Mauer entstanden) die Trostlosigkeit auch der Berliner Mauer. Ein Alltag, der alles überwölkt; sich abfinden mit den Gegebenheiten und hoffen.

Peter Thieme, Fotograf, Berlin
„Berliner Fluchten“, 1961-1988,
Fineart Prints
Peter Thieme fotografiert in den 2010er Jahren Orte an der Berliner Mauer, an denen zwischen 1961 und 1989 aktenkundig festgehaltene Grenzdurchbrüche stattgefunden haben – Berliner Orte / Berliner Fluchten und erzählt wie nebenbei schicksalhafte Ereignisse. Die authentischen Orte sind längst überformt, Straßen und bebaute Grundstücke an ihre Stelle getreten.

Wolf Vostell (1932- 1998), Maler, Bildhauer und Happeningkünstler, Berlin
9. November 89, 1989 (
Reproduktion auf Alu-Dibond), aus dem Zyklus „Fall der Berliner Mauer“
Ein Künstler voller Lebensenergie, und so reagierte er mit großer Freude auf die Nachricht, dass die Mauer nicht mehr existiere. Spontan malte er das großformatige Bild „9. November 89“, 1989 aus dem Zyklus „Der Fall der Berliner Mauer. Vostell begriff sich selbst als politischen Künstler. Zum Thema Mauer sind über 50 Werke von ihm entstanden, großformatige Malereien, Zeichnungen und Siebdrucke, einige davon werden in der Ausstellung gezeigt.

Dieter Wendland, Fotograf, Berlin
Die Bildsprache Wendlands ist ruhig und sachlich, sein Blick sehr genau ohne zu sezieren. Schmerz über die Trostlosigkeit der durch eine Mauer geteilten Stadt wird in den Bildern deutlich.

 

Die folgenden Arbeiten zeigen wir mit freundlicher Unterstützung der dpa/Deutsche Presse-Agentur GmbH:

Gary Moon
„U.S. – Mexico Border Fence and Landscape”, o. J., Digital-Print

Charlie Riedel
„US Mexico Border Wall Arizona”, 2019, Digital-Print

Sahan Nuhoglu
„Nicosia: The last divided capital of Europe”, 2016, Digital-Print

Achim Scheidemann
„Zypern – Griechische Grenze in Nikosia“, 2006, Digital-Print

Issam Rimawi
Passages to Jerusalem for the first Friday prayer of Ramadan, 2019, Digital-Print

Jürgen Schwenkenbecher
„Ost-Jerusalem: Leben mit der Mauer“, 2018, Digital-Print

Agency Yonhap
„Night view of Demilitarized Zone”, 2018, Digital-Print

Ahn Young-Joon
„South Korea Koreas Diplomacy”, 2018, Digital-Print

Thomas Haupt
„China, Mutianyu, Great Wall”, o. J., Digital-Print

Sun Jun Badaling
„Great Wall bursting with autumn colors”, o. J., Digital-Print