Demnächst - Zwei neue Ausstellungen im Schloss Biesdorf

"… und des Menschen Größe"

Grafiken und Fotografien zu Gedichten von Johannes R. Becher.
Präsentation des Kunstarchiv Beeskow – Archivierte Kunst aus der DDR

Falko Behrendt, Christian Brachwitz, Helmut Brade, Manfred Butzmann, Michael Diller, Andreas Dress, Hubertus Giebe, Konstanze Göbel, Dieter Goltzsche, Ulrich Hachulla, Joachim John, Barbara Köppe, Wolfgang Mattheuer, Manfred Paul, Christine Perthen, Wolfgang Petrovsky, Uwe Pfeifer, Helfried Strauß, Ursula Strozynski, Dieter Tucholke, Werner Wittig

Ausstellung vom 18.11.2018 bis zum 25. Februar 2019

Vernissage am Sonntag, 18. November 2018 um 11:00 Uhr

Grafikmappen sind Ausstellungen im Kleinen. Zwischen Mappendeckel und -boden schwebt das Potenzial, ein Thema, eine Idee tiefgehend und facettenreich in Bildern zu fassen. Massenorganisationen und politische Institutionen der DDR haben im Laufe ihrer 40 Jahre zahlreiche Grafikmappen in Auftrag gegeben. Im Kunstarchiv Beeskow liegt ein aussagekräftiger Bestand solcher Mappenwerke, mit Beispielen aus allen vier Jahrzehnten. Daran abzulesen ist die Entwicklung der Themenproduktion der DDR-Kulturpolitik, aber auch wie unterschiedlich die Künstlerinnen und Künstler mit diesen Setzungen umgegangen sind, wo die Grenzen des Sagbaren verliefen, wo Spielräume gewährt wurden. Vor allem zum Ende der 1980er Jahren erscheinen die Kompilationen immer vieldeutiger: Düsternis und Ambivalenz beherrschen viele Motive, die mehr als eine Interpretation zulassen.

Auch die Mappe „ … und des Menschen Größe. Grafiken und Fotografien zu Gedichten von Johannes R. Becher“ (1988) ist in diesem Zusammenhang zu sehen. „Schritt der Jahrhundertmitte“(1958), der letzte Gedichtband den Becher  vor seinem Tod schuf, diente 20 Künstlerinnen und Künstlern als Ausgangspunkt ihrer Arbeit. Es ist das Sinnieren eines Dichters wie linientreuen Sozialisten, zum Ende desillusioniert und zweifelnd, über Potenziale und Abgründe des menschlichen Daseins im Zusammenhang von Gesellschaft und Geschichte. Die Bilder, welche die Künstlerinnen und Künstler aus diesem Text gewinnen, zeigen den Menschen geprägt von Zerrissenheit, mal in drückender Einsamkeit, mal im Strudel gesellschaftlicher Prozesse, deren Erschaffer er selbst ist. Finden sich unter den 16 Grafiken einige, wenige farbige Blätter so erscheinen die 20 Fotografien in körnigem Schwarz-Weiß. Diese Aufnahmen sind Träger jener Melancholie für die die ostdeutsche Autorenfotografie nur wenige Jahre später berühmt werden wird.

Das Kunstarchiv Beeskow zeigt im Schloss Biesdorf in regelmäßigen Abständen Auszüge aus seinem Bestand. Die Präsentationen verweisen von Berlin aus auf die mehr als 20.000 Kunstwerke aus der Zeit der DDR, die im brandenburgischen Beeskow seit den frühen 1990er Jahren bewahrt und erschlossen werden.

 

"life spot"

Partizipatorisches Projekt von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung
Künstlerische Leitung: Carola Rümper

Ausstellung vom 18.11.2018 bis zum 8. Februar 2019

Vernissage am Sonntag, 18. November 2018 um 18:00 Uhr

In dem Projekt wird die ehrenamtliche Tätigkeit von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung in den Mittelpunkt gestellt. Das Engagement dieser Menschen wird in der Gesellschaft kaum beachtet. In der Regel werden sie nur als Hilfebedarfsempfänger_innen wahrgenommen. Das Projekt bricht mit dieser einseitigen Wahrnehmung.

In einem begleiteten künstlerischen Prozess unter Leitung der Künstlerin Carola Rümper entwickelten die Teilnehmer_innen Fotografien, die das eigene Ehrenamt repräsentieren. Die fotografischen Ergebnisse werden in dem Memospiel life spot zusammengefasst.

In der Ausstellung sind alle entstandenen Fotografien auf dem Boden liegend als Riesen-Memo zu sehen. Die raumgreifende Installation ist gleichzeitig begehbare Spielfläche, jede einzelne ist Spielkarte 45x45cm groß. Die Besucher_innen sind aufgefordert, wie im kleineren Vorbild, die jeweils gleichen Bildpaare zu finden.

Das Gedächtnisspiel ist ein gesellschaftlich bekanntes und beliebtes Medium, um Menschen zusammen zu bringen.  Eine Spielform, die visuell in ein Thema einführt. In life spot werden eigenwillige Motive zu einem besonderen Thema gewählt. Inklusion oder Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft rückt als Thema in den Vordergrund. Durch die Memospiel-Form wird das Thema „spielerisch“ in die Gesellschaft getragen. 

Parallel zu beiden Ausstellungen zeigen wir die Ausstellung „Soft City – Stadt &  Kunst // Japan & Berlin“.

 

Aktuelle Ausstellungen

Soft City – Stadt & Kunst // Japan & Berlin

© alle Fotos: Schloss Biesdorf

Aussstellung vom 07.09.2018 bis 25.01.2019

Die Ausstellung "Soft City" im Schloss Biesdorf zeigt Werke von Künstler_innen aus Japan und Deutschland, die sich mit urbanen Entwicklungen in Japan und Europa auseinandersetzen. 

In der Ausstellung "Soft City" tragen sie diese Erfahrungen in den Berliner Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf, um mit dem Ort und natürlich – vor dem Hintergrund der unterschiedlichen kulturellen Kontexte – mit den Menschen in einen Dialog zu treten. In den letzten Wochen waren einige der Künstlerinnen und Künstler im Bezirk unterwegs, dabei entwickelte ortsspezifische Arbeiten fließen in die Ausstellung ein.

Im Fokus der künstlerischen Arbeiten der Ausstellung steht immer wieder der menschliche Maßstab, der im japanischen Stadtraum mit seiner kleinteiligen Holzarchitektur sehr viel präsenter ist als im Westen. In den verschiedenen Workshops, Performances, Stadterkundungen und anderen Begleitveranstaltungen geht es auch um mögliche Strategien und Visionen für urbane Gemeinschaften, die nicht von Masterplänen, sondern von der menschlichen Wahrnehmung und dem lebendigen Dialog im Stadtraum bestimmt werden.

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Arbeiten von:

Florian Baron/Jenny Fadranski
David Bauer, Linda Havenstein
Masaru Iwai
Titus Spree
Yukihiro Taguchi/Chiara Ciccarello
Katsuhito Nakazato/Sugano Matsusaki
Yuji Ueno

Konzept und Kuration:
Titus Spree, Linda Havenstein, Karin Scheel

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Die Ausstellung:

Florian Baron/Jenny Fadranski
„Marzahn 2017“

Auf dem 8. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei (SED) 1971 wurde beschlossen, das Wohnungsproblem als soziales Problem bis zum Jahr 1990 zu lösen. Die utopische Siedlung in Berlin-Marzahn sollte Teil dieser Lösung sein.
Im Jahr 1972 wurden zwei Forscher des DDR-Ministeriums für Kybernetik und Stadtplanung 45 Jahre in die Zukunft geschickt, um zu dokumentieren, wie sich die Siedlung entwickelt hat und ob das soziale Problem gelöst worden ist. Der ist ein SciFi-Mockumentary, der die städtebaulichen Utopien der DDR am Beispiel des Ostberliner Stadtteil Marzahns aufgreift. Mit der damals innovativen Technik des Super 8 Films erstellten Baron und Fadranski eine dokumentarische Momentaufnahme Marzahns im Jahre 2017, die eine Zeitreise so inszeniert, als würden Wissenschaftler der kybernetischen Forschungsabteilung der DDR aus den 70er Jahren das ehemalig utopische Marzahn unserer Gegenwart betrachten.
Der Film wird untermalt von Musik der Klangkünstlerin Jana Irmert aus ihrem Album FLOOD, veröffentlicht 2018 auf Fabrique Records, digital auf Bandcamp.

Linda Havenstein
„Straßenwitz“

Für die Installation wurden im Bezirk Marzahn-Hellersdorf Fensterfassaden gefilmt, in denen sich das Licht der Fernseher im Inneren der Räume spiegelt.
Das flackernde Fernsehlicht wird auf weiteren Monitoren verstärkt, es suggeriert das Bild eines Morse-Codes, eine Art Kommunikation zwischen den Häusern und deren Bewohnern.
Die Installation suggeriert eine Beziehung und eine interne Kommunikation in der Gemeinschaft, die trotz der klar abgetrennten Häuser und Räume zwischen den Bewohnern existiert und eine Öffentlichkeit schafft. “Straßenwitz“ erweist sich letztendlich als eine humorvolle Karikatur auf den stereotypen und kategorisierenden Blick auf Marzahn-Hellersdorf.

Linda Havenstein
„Things my father used to say“

Haushaltsübliche Türvorhänge sind zu einer raumfüllenden Installation zusammen geführt. In die einfarbigen Vorhänge sind farbige Muster gearbeitet, die auf den Blick wie rein dekorative Elemente erscheinen. Bei näherer Betrachtung aber entpuppen sich diese Muster als binäre Codes, die bei Entschlüsselung politische Parolen enthüllen.
Die Türvorhänge, die gleichzeitig als Raumteiler dienen, stehen für den Raum zwischen „Tür und Angel“, den ambivalenten Raum, der zwischen dem abgegrenzten Privaten und dem Öffentlichen liegt. Die eingearbeiteten Parolen gehen auf reale Parolen zurück, die eine konkrete politische Forderung innehatten, aber durch eine Verarbeitung im digitalen Raum eine Veränderung erfahren haben. Die politischen Parolen sind in ihrer Bedeutung genauso ambivalent, wie sich die öffentliche politische Diskussion in einen ambivalenten Raum zwischen der Straße und digitalen Raum verschoben hat.

Masaru Iwai
„Marzahn Stratigraphie“

Masaru Iwai hat sich dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf in vielen künstlerischen Forschungstouren angenähert. Seine Erfahrungen, die Begegnungen mit Menschen und die Spuren ihres Agierens schichten sich in bewegten Bildern über die ursprüngliche Struktur einer vorhandenen Stadtplanung.

Katsuhito Nakazato/Sugano Matsusaki
„Ecken“

Wenn Menschen aus ihren Häusern gehen, passieren sie natürlich Hausecken. Der Kontrast zwischen den Ecken und der dahinter erscheinenden Stadtlandschaft verschwindet als Teil des Alltäglichen aus dem individuellen Bewusstsein und ist doch archetypischer Teil der eigenen Lebensumwelt.
Die Ecken, die die Bewohner des Bezirks Marzahns - Hellersdorf  sehen, wurden jeweils in Paaren auf Paravents abgebildet. Die ursprüngliche, der Alltagslandschaft verborgene Landschaft wurde dabei freigelegt.

Katsuhito Nakazato/Sugano Matsusaki
“Gento”
(Straßenkino)

Während der Erkundungstouren im Bezirk wurden durch die Künstler Abfall und Fundstücke zusammengetragen. Ihr Abbild wurde mit dem Gentoki, einem analogen japanischen Projektor, auf Wände projiziert. Die entstandenen Bilder wurden abfotografiert und bilden in der Ausstellung eine Serie von menschlichen Spuren im öffentlichen Raum.

Titus Spree
„MMO“
(Moving micro office)

Titus Spree beschäftigte sich in seiner mehrschichtigen Arbeit mit verschiedenen Aspekten des öffentlichen Raumes im Bezirk Marzahn-Hellersdorf.
DasMoving micro office (MMO) ist ein  kleiner Raum auf Rädern. Bei 1 x 2 Metern Grundfläche und einer Höhe von 2,4 Metern kann man ihn zu Fuß ohne große Mühe durch die Stadt ziehen. Im Verlauf der Soft City – Ausstellung wird MMO als temporärer Dialog- und Kommunikationsraum durch den Bezirk Marzahn-Hellersdorf ziehen.  Das MMO wird vom Künstler auch  als Arbeitsraum genutzt, es ist natürlich auch ein Experiment und – wenn man so will ein Denkanstoß auf Rädern. Kreative Freiheit und das mögliche Einbringen des Einzelnen in die Gesellschaft im oftmals stark reglementierten urbanen Raum ist ein wichtiger Aspekt dieses Projektes.
 

Titus Spree
„Schlafstadt“

Die Arbeit „Schlafstadt“ ist ein Spiel mit dem Begriff Schlafstadt, der im Zusammenhang mit „peripheren Vororten“ wie dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf, häufig gebraucht wird.
Eine Kugel aus Bambus rollte im Vorfeld der Ausstellung durch den Bezirk und wurde an verschiedenen Orten kurzfristig fixiert. Auch in die Höhe hinaufgezogen, könnte sie als Schlafbehausung dienen und eine neue Ebene im Stadtraum erschließen. Die Bambuskugel wird während der Ausstellung im Luftraum des Oktogons im Schloss Biesdorf aufgehängt.

Titus Spree
„Tokio im Portikus“

Eine Stoffreplik eines kleinen Hauses aus Tokyo  im Portikus des Schlosses Biesdorf weist den Weg zur Ausstellung in das Schloss und visualisiert die unterschiedlichen architektonischen Dimensionen in verschieden Kulturen.

Yukihiro Taguchi/Chiara Ciccarello

Yukihiro Taguchi und Chiara Ciccarello kreieren für die Ausstellung ein direkt auf den Straßen Marzahn-Hellersdorf realisiertes Animationsprojekt.
Dieses Kooperationsprojekt verbindet die reale Stadtlandschaft Marzahn-Hellersdorfs, die Taguchi in Stop-Motion Clips festgehalten hat, mit Ciccarello’s imaginären Figuren, deren Geschichten von der Umgebung inspiriert wurden. Beide erwanderten den Bezirk, filmten und zeichneten direkt vor Ort und notierten mithilfe eines transparenten Zeichenfläche die Zeichentrickfiguren in die echte Landschaft. Die Animation wird zusammen mit einer Installation von gemalten, transparenten Paneelen und Zeichnungen auf den Fenstern des Ausstellungsraums gezeigt

Yuji Ueno

Der japanische Künstler Ueno, gleichzeitig auch praktizierender Ikebana Meister, arbeitet mit der natürlichen Umwelt im Bezirk und insbesondere im Biesdorfer Schlosspark. Er nutzt für seine hochpräsenten Performances Fundstücke und Materialien aus der Natur. Für die Besucher ermöglicht seine Arbeit einen überraschend intensiven Blick auf die uns umgebenden Welt.